Sunday, 30 September 2012

Gruß vom Oktoberfest: ein Fotoroman

Alles, was es zu diesem unerwarteten spontanen Besuch von mir Wiesenmuffel zu erzählen gibt, von Norbert bis zu den gefallenen Männern am Toboggan, findet ihr, wo sonst, beim Preißndirndl.
Ich habe hier noch ein paar Fotos 
Ein Auszug aus der schieren Masse von Dirndln, von C&A bis Angermair
A selection of instant dirndls, from a sweatshop somewhere in China
 Mei, mit dene paar Fassln werds' ned vui ausrichten da drin!
Ein Bierzelt von Frauen für Frauen - und 100.000 Italiener
The ox grill - the only beer tent under female management
 Ohne Brezen geht garnix -  Bavarian Basics
Das berüchtigte Wiesnhendl - the famous rubber chickens
Hier liegt er, der Norbert. Guad war er.
The oxen served here have names, this one is Norbert.
Blues Brothers go Oktoberfest
cherchez la blogista - es ist die in "Grün"
New staff for the ghost train 
A magic roundabout
The Long Good-bye









 
 
 


Thursday, 27 September 2012

Gut gespeist

Hausgemachte Tagliatelle trocken: Procrastination and jubilation: drying my home-made tagliatelle
Da ich in 3 Tagen den absolut letzten Termin zur Abgabe meiner Einkommenssteuer habe (ich sage nur: Alptraum Elster), muss ich jetzt natürlich den ganzen Tag rumtrödeln, Nudeln trocknen, spazierengehen...die Bank, auf die ich die Steuer schiebe wird jeden Tag länger. Und da fiel mir ein, dass ich unbedingt noch berichten wollte, wo ich letzten Sonntag mit meine Mutter essen war. Es war nämlich ein so ungewöhnlich ausgezeichnetes, direkt großartiges Essen. Wir waren schon öfter da und es war immer gut, aber dieser Tafelspitz, der hätte in keinem Sternerestaurant besser schmecken können. Und Mütterleins Steinpilze mit Semmelknödel waren auch perfekt, nicht der fettige Batz, den man oft serviert kriegt, sondern eine leichte, rahmige Schwammerlsuppe.
Mum prüft ob das Fleisch auch löffelzart ist - Mum, quality-controlling
Ich spreche von der Ebersberger Alm, bei der die Menge der Gäste nicht auf billige Kompromisse hinweist, sondern auf wirklich feines bodenständiges Essen. Außerdem ist der Weg dorthin sehr schön, vom Bahnhof in Ebersberg durch den Ort runter zum Klostersee (dem Schwimmbad meiner Jugend), dann hinter dem See durch eine lange Allee den Berg hinauf. Wer unbedingt will, kann sich anschließend die Kalorien beim Ersteigen des nahen Aussichtsturms wieder wegturnen.  
frischer Apfelkren - fresh horseradish with apple
  fluffiger Semmelknödel mit Pilzsoße - fluffy dumpling with porcino mushrooms in a light cream sauce
 Mein Tafelspitz mit gewürfeltem Wurzelgemüse - the best boiled beef I have ever eaten, in a broth of cubed root vegetables
 
Fleischliche Nahaufnahme - beefcake close-up
As I am hurtling towards my tax return deadline without much to show for, procrastination is once again the name of the game. First I had to hang out my home-made noodles to dry, and wander down the way when the rain stopped. Now I suddenly remembered that I absolutely have to share this meal with everybody, a meal in a local restaurant which surprised me and my Mum last Sunday with its absolute perfection. But really, now I will have a go at the tax...

Tuesday, 25 September 2012

Ich bin eine Gulaschkanone

Frau Mütterlein wollte Gulasch mit Spätzle. Der Auftrag lautete, das Fleisch muss so weich sein, dass sie es mit dem Löffel zerteilen kann. Also ein Pfund Kalbsgulasch, beim Metzger* aufgeschnitten, kurz angebraten in meinem Butterschmalz, dann schnitt ich zwei große Zwiebeln grob auf und gab sie dazu. Ich würzte das Ganze mit Salz und Rosenpaprika, denn zu scharf darf's nicht sein. Dazu eine Handvoll vorgeschnittenes Suppengrün, habe ich immer im Gefrierfach, und Maggikraut (oder Liebstöckl, danke Margret!) auch eingefroren, und etwa 1/2 Liter Wasser drauf. Ich ließ es ein Stündlein köcheln, übernacht kam's in den Kühlschrank. Heute mittag machte ich eine kleine Einbrenn, ca. zwei EL Mehl in heißem Butterschmal anrühren und mit Sahne löschen, dann das Gulasch rein. Damit die Soße dicker wird, warf ich ein paar Würfel altes Brot rein. Und - Überraschung! Schmeckt fabelhaft.
Als Sättigungsbeilage gab's Spätzle aus 150g Spätzlemehl, 60ml Wasser und 2 Eiern, aber statt Spätzle zu machen, stach ich Nocken aus, weil Mütterlein weiche Spätzle wollte. Die Nocken waren aber hart! Deshalb schnitt ich sie in Scheiben und briet sie in....Butterschmalz raus. Perfekt. In meiner Familie hat niemand Angst vor Butter!
Mütterleins Urteil: Gefällt mir! oder wie's im Bayrischen Facebook heißt: Mog i!
 
*unser Metzger ist großartig, voller freundlicher junger Verkäuferinnen, die wenn sie gerade Zeit haben, gerne "dem Gickerl die Federn ausreißen", und nachmittags auch mal zwei Scheiben Leberkäse in die Semmel legen. Ja, so hält man seine Figur.
 Mein wunderbares Butterschmalz - my beautiful home-made ghee
 Yesterday Mum put in an order of gulash. She often doesn't trust my cooking, but this one she knows I can do. The meat had to be so soft you can eat it with a spoon, which makes it veal. I asked our butcher to cube for me, fried it lightly in some of my new precious home-made ghee, added chopped onions, salt and a dose of mild paprika. Also, a handful of chopped soup vegetables (I always keep a stash of chopped carrots, leeks and celeriac in the freezer), plus some lovage. Cover with water and simmer for as long as you need to (remember: soft, spoon!). I also put some bits of rye bread in to thicken the sauce. Left it over night, then before eating it I browned two tablespoons of cornflour in some more ghee and deglazed it with cream, then filled it up with the gulash. Tastes SO GOOD!
For stodge I made flour gnocchi from 150g flour, 2 eggs and 60ml water. Leave them to swell, then drop them in boiling water for ten minutes or so. They turned out a bit hard, so I sliced them and sautéd them briefly in ghee. Yes, it was a bit of a butterfest. Never mind.
As a family, we are not scared of a bit of butter. Mum's verdict: Like!
Hier kaufe ich meine Eier - this is where my eggs are laid

Monday, 24 September 2012

The proof is in the pudding

Ja, es gibt ein Leben ohne Dr. Oetker! Ich habe mich oft gefragt, wie man Pudding ohne die allgegenwärtigen Päckchen macht. Natürlich gibt es alle möglichen puddingartigen Nachspeisen, Bayrische Creme, Panna Cotta & Co., aber einen ganz ordinären Vanillepudding? Gestern habe ich experimentiert, und siehe da: es ist kindisch einfach und schmeckt besser als der Packerlpudding.
Man nehme ca. 500 ml Milch (minus 4-6 EL) und koche sie mit einem Schuss Vanilleessenz auf. Mit den 4-6 EL kalter Milch 30g Maisstärke (am besten aus dem Bioladen) mit 4 EL Rohrzucker anrühren und die Mischung in die "kochende, von der Kochstelle genommene Milch" rühren (Zitat Puddingpäckchen, diese Formel ist in meine Erinnerung geätzt). Ich habe auch ein gekleppertes Ei reingerührt. Abfüllen in Schalen, abkühlen lassen - nicht gleich die Haut weglöffeln, das sieht nämlich greislich aus.
Dazu gab es Traubengelee und ein paar Beeren aus dem Tiefkühlfach. Die Beerenflüssigkeit habe ich mit einem Hauch Maisstärke aufgekocht und als Schicht auf einen Testpudding (im Hintergrund) gegossen, sieht hübsch aus und schmeckt auch.
 Das Traubengelee mache ich einmal im Jahr, wenn meine Mutter von einer Freundin die Garten-Spätlese bekommt. Ich koche sie mit Stumpf und Stiel, mit einem aufgeschnittenen Apfel und 2:1 Gelierzucker ca. 5 Minuten auf . Dann gieße ich alles durch eine (saubere) Mullwindel durchs Sieb in einen anderen Topf und lasse es noch einmal aufkochen. Abfüllen, fertig, köstlich.
Weil's gar so einfach war, habe ich heute früh gleich noch einen Schokopudding nachgelegt. Statt Vanilleessenz einfach pro Viertelliter Milch 35g Schokolade in der erhitzten Milch auflösen. Oder selbst experimentieren...macht kindischen Spaß.
In Germany, "Pudding" is just one facet of the vast palette of desserts. I think the English equivalent is blancmange - but while every German child knows what "Pudding" is, I never came across blancmange in my 25 years of English culinary experience. However, it's worth making blancmange at home, because it's easy to make, cheap, consists of ingredients most households have readily available and is a comforting antidote to chilly autumn days.
Take about 5 tablespoons from a pint of milk and stir it into 30 g organic cornflour and 4 tablespoons of raw sugar. Bring the milk to the boil with a dash of vanilla essence, or a vanilla pod if you have, then whisk the cornflour mix in. Add a fresh organic beaten egg, let the mix boil up briefly and take off the heat. Fill the pudding in bowls and let them cool. The chocolate version is equally easy - instead of the vanilla factor melt 70g chocolate in the heated milk and proceed as above.
I also happened to make grape jelly from some grapes my Mum gets from a friend, which goes nicely with the sweet blancmange. Berries are nice, too....

Saturday, 22 September 2012

Versuch über Tempura: weiter üben

Du meine Güte! Während ich das schreibe, läuft neben mir eine Sendung über Landfrauenküche. Der TV-Hype verdirbt uns noch  die letzten Bauernhöfe: diese "Landfrauen" sind angezogen wie Models und kochen wie Sterneköchinnen: Rehrücken in gefächerten Champignons gefüllt mit Rehfarce, Blaukraut im Weißkrautmantel, dazu Kartoffelpüree in Schichten, dazwischen Erbsen und obendrauf a Kaas. Dazu: keine über Größe 40! Wie schaffen die das? Brauchts des? Der Trick mit dem Kartoffelpüree erinnert mich an meine Kindheit, als meine Mutter für uns die aufgeschnittenen Wiener im Kartoffelbrei versteckte. Bin gespannt, ob der Alfons noch eine Möglichkeit findet, Schweinebraten mit Trüffel zu verfeinern. Vielleicht bin ich ja auch nur neidisch, weil mir in diesem Leben der Zucchiniblütenkuchen der Siegerin nie gelingen würde.
Sogar mein Versuch, die Blüten zu Tempura, die japanischen in Fett gebackenen Gemüsestückchen, zu verwandeln, scheiterte kläglich. Vielleicht habe ich den Teig aus
1 Ei, einer Prise Salz
100 g Mehl
100 g Stärkemehl
1 Päckchen Backpulver
125 ml kaltem Wasser (ich nahm automatisch Milch, das war wohl auch ein Fehler)
nicht lang genug quellen lassen, denn er wollte die Zucchini, Blüten und Broccoli nicht ummanteln. Es wurde einfach ein - durchaus essbarer - Pfannkuchen, der aber wohl kaum Preise gewinnen wird.
Heute regnet es wie aus Kübeln, der perfekte Tag für Küchenexperimente. Als Erstes machte ich mich daran, endlich mal Butterschmalz herzustellen, ermutigt u.a. von evolvingtastes die behauptet, es sei so einfach wie Wasser kochen.  Es schien tatsächlich kinderleicht zu sein, den Schaum der auf der flüssiggewordenen Butter schwimmt mit meinem gelöcherten Löffel abzuschöpfen, und es sieht gut aus. Jetzt muss ich abwarten, bis die geklärte Butter kalt ist um zu sehen, wie schmalzig sie geworden ist. Um das frische Butterschmalz zu testen, machte ich gleich Apfelpfannkuchen, gewürzt mit, na was woh, Tonkabohnen. Die übrigens in den USA von der FDA nicht zugelassen sind, habe ich erfahren. Eine gefährliche Droge also.
As I am writing this, I am watching one of those TV food porn programmes that are made to torment hobby cooks like me. A group of Bavarian farm housewives who all look like WAGs and cook like gourmet chefs, are cooking dishes that I frankly don't understand how anyone has the patience to make. Not me, just bitter and twisted since I wasn't even able to turn my delicious bits of vegetables into tempura,  ending up with a - thoroughly edible - veggie pancake.
A mix of one egg, pinch of salt, 100 g self-raising flour and 125 ml cold milk made a good batter. But maybe I should have used water, or I didn't give the pancake mix enough time to swell?
With the rest of the batter I made a nice apple pancake later, sprinkled with tonka beans, my drug of choice. I heard that they are not allowed by the FDA in the States, who knows why?
I also made ghee today, still waiting for it to cool down and prove its worth. I was encouraged by blogger evolvingtastes, who claims it's as easy as boiling water. All you do is liquify the butter and skim off the scum with a spoon. Seems to have worked OK.

Friday, 21 September 2012

Warum ich so gern auf dem Land lebe

Zugegeben, mein Leben war schon mal berichtenswerter, intellektuell mehr gefordert, kosmopolitischer, sexier, als ich jünger war und in London und Sevilla, in Rom und in München lebte. Jetzt hat das Leben mich wieder dahin gespült, wo ich angefangen habe: Grafing. Wo ich nie wieder hin wollte und jetzt wieder so gern bin. Wo mich auf der Straße sehr alte Damen ansprechen und fragen "Bist du der Trudl ihr Große oder die Kloane?" und sich noch an die Seilerei Pellkofer erinnern, den Laden meines Großvaters am Marktplatz. Wo ich beim Einkaufen im Bioladen Schulfreundinnen treffe, mit denen ich ganz selbstverständlich da weiterrede, wo wir vor 40 Jahren aufgehört haben, und wir uns gegenseitig beglückwünschen zu unserer Entscheidung, die Haare nicht mehr zu färben. Vor allem gefällt mir meine Wohnlage, der Blick auf die Föhn-Alpen, meine Terrasse mit Ackerbau, die Rufweite zu meiner Mutter und die exzentrischen Nachbarn (s.unten). Der Salzburger Schnellzug befördert mich für monatlich 56 Euro in 17 Minuten in die Stadt, und dank Internet kann ich immer sehen was meine FreundInnen, und jetzt auch deren Kinder, so machen, überall.
Admittedly, my life may have been more eventful, more intellectually stimulating, more cosmopolitan when I lived in Rome, in London, in Seville and then in Munich. Now, life's unpredictable tideshave washed me back to where I started out, a small Bavarian town where very old people still remember the shop my grandfather used to have in the main square (he was a ropemaker and the shop ended up being pretty ropey), and who ask me whether I am the older daughter or the "little one". Where I bump into old school friends in the wholefood shop and we just carry on chatting where we left off 40 years ago, including approval of each other's silvery, un-coloured hair.
Now I love living in the countryside, in cycling distance to my Mum, with a view of the Alps and an agriculturally ambitious terrace. Great neighbours (above), too. The internet keeps me in touch with most of my friends - and increasingly their children - everywhere, and best of all, a fast train gets me into Munich in 17 minutes, at a mere €56 for the monthly ticket. 
Meine Eier kaufe ich unten am Moos von einer Hippybäuerin
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I buy my eggs at the bottom of the hill from a real-live hippy chick
Luisa und ich essen ihre Hennasuppn auf der Terrasse
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we eat my sister's chicken broth on the terrace
 Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal selbst Gemüse geerntet
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 I harvested my first homegrown vegetable crops this summer
 Und es ist einfach schee hier!
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It's simply very pretty here.

Wednesday, 19 September 2012

Suppige Zeiten

Jetzt ist es wieder so weit. Ich bin verschnupft, möchte schon am Heizungsknopf drehen, trage zwei Pullover übereinander und möchte nur noch Suppen essen. Eine großartige Erfindung, die Suppe. So einfach zu machen und so absolut genießbar. Von Kindesbeinen an wurde ich mit Suppe geimpft, sie heilt alles, macht satt und, äh, nicht dick.
Eigentlich braucht man kein Rezept, man nehme Lauch und Kartoffeln, rote Bete und Karotten, Kürbis mit oder ohne Ingwer, Tomaten oder eingeweichte Hülsenfrüchte. Man mache Pfannkuchen, Grießnockerl (geht auch ohne Industrienockerlgrieß, einfach mit Ei, Grieß, Muskatnuss und Butter), oder kauft Maultaschen. Dazu eine Brühe aus Hühnerhaxen oder Gemüseresten, oder auch ein paar Löffel Fertigbrühe aus dem Glas, mit Thymian, Schnittlauch, Petersilie oder sonst einem Kräutlein, geröstete Sonnenblumenkerne, und vielleicht Sauerrahm. Brot gehört dazu, frisches, auch selbst gebackenes. Oder man kann auch einfach ausgehen und ganz andere Suppen essen: Fischsuppen, Speckknödelsuppen, Pasta e fagioli, eine fetzige Tom Kha Gai oder die chinesische Wontonsuppe. Mmhm, Hunger!
It's getting cold at night, I feel a severe case of the sniffles coming on, and I am watching TV wrapped in my warmest woolliest blanket. At night I wake myself up sneezing.
This is when I really start wanting soup. I grew up with the belief that soup can fix anything. When you feel rotten, eat soup. It is healthy, hearty, and so good for you. It also offers a licence to eat bread, rolls, toast, or scones. Anyone can make soup, from anything that's in the kitchen: Vegetables, pulses, herbs, dumplings, noodles, and bread. Beets and potatoes, carrots and leeks, dried peas soaked overnight. Pumpkin and ginger, carrots and cashews. Add toasted sunflower seeds, sesame and cream if you like. Or else, go out and eat soup, you can get it everywhere and it's usually the cheapest thing on the menu. Fish soup, pasta e fagioli, wontons in broth, sopa Alentejana or a searing Tom Kha Gai. Mmhm I am getting quite hungry again.

Monday, 17 September 2012

Eine verrückte Reise,ein zenmäßiges Abendessen und ein Sonnenuntergang

Bin wieder da nach vier Tage im nahen (deutschen) Osten. Zwei Nächte in Berlin bei Freunden mit gutem Riesling, lustigen Weibern und einer grippekranken Reisebegleiterin, die den ganzen Spaß vom Sofa aus verfolgen musste. Die dritte Nacht verbrachte ich bei einer Art Szene-Familienfeier auf einem dieser verfallenden Schlösser in der Uckermark. Zum Schloss fuhr man vorbei an romantischen Birkenwäldern und Unmengen Windrädern, die für uns in Bayern Strom produzieren. Ich finde sie übrigens sehr schön: von mir aus könnte gerne statt Gipfelkreuz auf jedem Berg ein Windrad stehen. Ich war so nahe an Polen, an der Ostsee, und hatte bloss einen Tag Zeit! Ich muss da nochmal hin, und dann mit etwas mehr Spiel-Raum, um durch die Apfel- und Birnbaumalleen zu spazieren, in die klaren Seen zu springen, in und in einem Strandkorb am Meer zu sitzen. Es war nicht der bestdurchdachte Reiseplan, aber für mich doch ein kleines Abenteuer.
A four-day trip took me first to Berlin. I spent two nights at my friends' house with my travel companion J., who had been struck down with a fiendish cold in the train and spent the rest of the weekend out cold on a sofa. Cruelly, I amused myself anyway with a stroll through some of my favourite places, kebab joints, cafés and galleries. In the evenings we had grand meals with nice crisp Riesling wine and a lot of giggles. The last night I travelled east, almost to the Polish border, to a celebration that brought together old friends, some of whom I had not seen in thirty years or so. I felt sad about not having enough time to explore the countryside - so unfamiliar to me, the avenues lined with fruit trees, the birch woods, the tantalizingly close Baltic sea and Polish border towns. As travel plans go, it was not the most successful journey, but hey, it got me out of Bavaria!
Kaum zuhause, packte mich die Kochlust und ich machte mich an die Ricottanockerl, die ich vor einiger Zeit hier entdeckt hatte und die mich seitdem irgendwie verfolgen. Allerdings servierte ich sie nicht, wie im Original, mit Salbeibutter, sondern ich schmückte die Nocken mit geschmorten Radieschen und meinem Lieblingsgrünzeug, den Erbsensprossen. Die Radieschen waren ein Tip von meiner Berliner Profiköchin und schmecken tatsächlich köstlich, eben wie Rübchen. Einfach die Radieserl vierteln und in Butter und etwas Wasser schmoren, bis sie weich sind. Sehr fein.
Und jetzt möchte ich gerne 12 Stunden schlafen.
I arrived home, unpacked, slept badly and reverted to cooking. There is a recipe for ricotta gnocchi  I had been lusting after for weeks, and I finally made them today. So easy: mix a 250g tub of ricotta with two eggs and a yolk (two yolks in the original recipe), salt, nutmeg, 80g flour and 100g grated parmesan. Form the gnocchi with a soup spoon and roll them in semolina, then drop them in salted boiling water. They are cooked when they rise to the top. Instead of sage strips in butter (also very nice) I accompanied them with radishes, quartered and sautéed in butter with a bit of water added halfway - an idea I got off my restaurant chef friend in Berlin, really delicious. Topped the whole dish with pea shoots, which are shooting away on my terrace. Now I am looking forward to a restoring twelve-hour kip.

Wednesday, 12 September 2012

Spiele mit Brot

Brot wegzuschmeißen ist eins der letzten großen Tabus, wahrscheinlich in allen Familien die noch irgendwie "den Krieg" mitgekriegt haben, also eine Zeit in der das Essen nicht in Hülle und Fülle auf Supermarktregalen wuchs. Als ich heute meine Mutter bei ihrem Stammtisch abholte, zeigt ihre Freundin Anni auf ein Stück Semmel "do, du host no a Semme". Mog i nimmer, sagt Mütterlein und schaut mich fragend an. Äh, nein, danke. Also wird das winzige Stück Semmel der Maria gegeben, die es in eine Tüte steckt. Dann kriegen es die Hühner.
Auch ich versuche immer brav, alles aufzubrauchen. Eine große Hilfe dabei sind zwei Gerichte, die wahrlich kein Notessen darstellen. Hier oben sehen wir die Armen Ritter, oder French Toast, die man mit allen möglichen Weißbrotarten machen kann. Diese hier sind vom Feinsten, aus altgewordenen Rohrnudeln, die ja wiederum mit Brioches nahe verwandt sind.
Einfach in Scheiben schneiden, kurz in Milch einweichen und dann in einem verschlagenen Ei wenden, in das ich natürlich etwas Tonkabohne gerieben habe. In Butterschmalz oder Öl braten und puderzuckern. Dazu gab es aus dem reichlichen herbstlichen Obstangebot ein Zwetschgenkompott, aber eines das den Namen Röster verdient: Butter in einer Pfanne erhitzen und Zucker etwas karamellisieren lassen, dann die Zwetschgenhälften darin weichkochen. Macht garantiert nicht dick.
One of the last great taboos in every family where someone has lived through the War - i.e. a time before food grew plentiful on supermarket shelves -  is throwing away bread. A complete no-no. As I mentioned before, Mum always tries to offload her left-over bits of white roll on me. Sometimes I make bread dumplings with them. Today in the café with her friends, she tried it on again, I said no thank you, you shouldn't... So it was handed to her friend Maria, who collects all the bits and gives it to her chickens.
One delicious way to dispose of white bread is of course French toast, which I make regularly. This one was made with stale brioche bread and particularly delicious. You know how it's done, but I will say it again. Soak the bread in milk briefly, not so it becomes mush. Then dip it in a beaten egg, I grated some tonka bean into it (I am crazy about tonka beans at the moment) and fry it in ghee or good oil until GOLDEN.
I ate them with a caramelised damson compote (damson is so in season right now, it falls off the trees): heat butter in a pan, throw some sugar in and make it bubble. Then add the fruit, stir it until it's cooked.
Richtig gutes Bauernbrot wegzuwerfen fällt auch mir schwer. An die Pferde dürfen wir es hier nicht verfüttern, also mache ich hin und wieder eine richtige Omasuppe: Brotsuppe gab es bei uns oft als ich ein Kind war, oft auch mit gekochten Kartoffeln und manchmal mit gerösteter Blut-und-Leberwurst. Ich habe sie im Stil der Sopa Alentejana gemacht, mit viel Knoblauch. Dieser wird in der Brühe deiner Wahl weichgekocht, dann pro Person ein Ei in die kochende Brühe reinschlagen und pochieren - also möglichst nicht verrühren. Eigentlich gehört viel Petersilie oder Korianderkraut rein, aber ich hatte nur Schnittlauch. Kurz vor dem Servieren die Brotstücke reinwerfen, und schnell essen.
When I have good rye bread I find it even harder to throw it out, and since we are not allowed to give it to the horses, I make this lovely bread soup in the style of Sopa Alentejana, which is of course made with white bread. Put as many garlic cloves as you like - I used five - in a stock of your choice, boil it for a little while and poach one egg per person in the broth. I had neither parsley nor coriander, so I just used chives. Before serving, put the cubed bread in the soup and dish it out quickly.
Morgen fahre ich ein paar Tage weg, und da kommt auch die Sonne wieder. Ja, ich mache schon wieder Urlaub.
Tomorrow I am off for a few days, and the Sun is back. Yes,  I am going away. Exciting, what.

Monday, 10 September 2012

Urlaub vom wirklichen Leben

Am Sonntag war ich mal wieder mit der mobilen Jodeleinsatztruppe vom Erich Sepp unterwegs, wieder mal am Samerberg.
Diesmal waren auch Freundin M. und Bloggerfreundin P. dabei, wir hatten so viel Spaß. Ein perfekter bayrischer Sommertag, der nachmittags schon mild-herbstliches Licht brachte. Auf der Deindlalm gab's richtig feine Kürbissuppe - ganz ohne Ingwer - und statt Crostini kräftige Tomatenbrote mit Zwiebelringen, richtig gut. Es war heiß, aber die Bergwanderung war gemäßigt genug sodass man zwischendurch genug Luft zum Singen hatte. Zum Schluss wieder mal auf der Wagneralm, wo wir die Ansässigen mit vielen Jodlern vertrieben...nein, unterhielten. Es wurde uns sogar Wein spendiert - der bekannte Südtiroler Edelvernatsch, das edle Tröpfchen aller Berghütten
So viele nette Leute, die alle singen können. Ich liebe den Samerberg, und ich liebe das Singen. Also, schöner geht's kaum.
 I had another marvellous day in the mountains yesterday, there is a group of people around this man in the picture above who are devoted to keeping Bavarian multi-harmony folk songs alive. He has taught practically everybody who is now singing  around here. It was so great to be in a large group of people who know the old songs and CAN SING, like, hold a four-part harmony! Great weather, nice people, a bit of sweating and even a nice lunch with a view. Life doesn't get much more pleasant. For me, anyway.