Thursday, 10 January 2013

Von Austern und Wiener Schnitzel

Neulich abends waren Luisa und ich von zwei Freundinnen zum Essen im Käfer-Restaurant eingeladen. Freiwillig würde ich da natürlich nicht hingehen, weil das Essen zwar fein ist, aber alles mindestens doppelt so teuer wie in einem vergleichbaren Restaurant, in dem normale Menschen speisen. Ich will jetzt gar nicht lang über Nobel-und Schickirestaurants mosern, aber was mir auffiel war, wie durchschnittlich und ängstlich auf der sicheren Seite alle Gerichte waren. Haben Käfers noch nicht davon gehört, dass Menschen jetzt gerne innovative Gemüsegerichte essen? Dass Türmchen-Bauen ein alter Hut ist? Dass eine Topinambursuppe nicht 15 Euro kosten muss? und dass eine Creme Brulée nicht noch einen Klecks Sorbet braucht, und schon garnicht ein bizarres Zuckerkonstrukt als Deko? Und dass immer weniger Menschen für 100 Euro speisen können, außer sie tun es auf Kosten der Steuerzahler?
Außer uns waren nämlich nur größere Männergruppen in den Separées, die offensichtlich auf Spesen unterwegs waren. Lieblingsgericht des Abends war übrigens Wiener Schnitzel.
 Topinambursuppe mit Jakobsmuschel ***Soup of Jerusalem artichokes served with a seared scallop
Mein Heilbutt mit Graupenrisotto und geschmolzenen Tomaten
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My dish of Halibut with pearl barley risotto and butter-fried tomatoes
 Die Deko war sehr hübsch *** the décor was very elegant
Besonders stilvoll war die Meeresfrüchte-Etagère. Ich habe endgültig festgestellt dass ich Austern nicht mag, dafür Krabbenfleisch umso mehr. Die eingewickelte Zitrone erntete Gelächter.
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The seafood étagère was a talking point, but the lemon wrapped in a dishcloth made us laugh. I finally decided I don't like oysters but love crab meat.
 Do eaters really need all this chi-chi deco stuff? We found it ridiculous.
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Was ich sehr nett finde, ist die Einführung von  Nachspeisenpröbchen, die weniger kosten, kleine Portionen sind und trotzdem das Gelüst nach etwas Süßem nach dem Essen erfüllen. (Diesen wunderbaren Kundendienst gibt es übrigens auch im L'Osteria in Münchens früherem Café Atlas, gegenüber dem Müller Volksbad. Für nur €1,50).
Ratet mal für welche der drei Nachspeischen sie sich entschied?
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I love this new fashion of offering mini-desserts you can choose. Guess which of the three my friend chose?

Das war mein Salzkaramelleis, der letzte Schrei auf dem Dessertmarkt, hat mir gut geschmeckt.
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I enjoyed my much-hyped and never-before-tasted salted caramel ice-cream, not bad at all.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich von einem Essen, das für vier Menschen 450 Euro kostet, erwartet hätte, dass mir wenigstens einmal "ooh" oder "aaah" über die Lippen kommt. Aber es kam halt nur "mmhm", und das sage ich bei Maria in Taglaching jedes Mal.
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The other night, my sister and I were treated to a dinner in a famous posh Munich restaurant by a couple of rich friends. Naturally not a place we would normally go to, food is about three times as expensise as we normally spend. One thing that surprised me was the unadventurous nature of the dishes - haven't they heard that more and more people love innovative vegetarian dishes, stuff with fresh vegetables? and that all this fussy baroque décor is way out of date? Also, for a dinner this expensive I found there was too little "ooh" and "aah" factor, but then I am probably just an ungrateful, carping cow.

6 comments:

  1. War vor Jahrzehnten mal da und erschrak doch sehr über die Preise. Deshalb gehe ich da auch nicht mehr hin, sondern lieber in das Lokal Zum Kloster in der Preysingstraße in Haidhausen.

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  2. Das Süppchen schlug tatsächlich mit 15 Öcken zu Buche?
    Käfer hatte sich mal einen Stern erkocht, lang ist's her.
    Wir gehen einmal im Jahr richtig gut essen weil der (Sterne)Koch ein langjähriger Freund ist.
    Das Preisniveau ist vielleicht noch etwas höher. Aber dafür ist es eben auch keine beliebige Küche für die Käfer leider berühmt ist.
    Für gewisse Produkte gehe ich aber immer noch gerne in sein Geschäft.

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  3. das zitroneneinwickeln muss ich jetzt mal verteidigen, das ist nicht bloss wegen der deko - es verhindert im essen rumflutschende zitronenkerne ;)
    in wien wird das zum schnitzel auch immer öfter so serviert.

    liebe grüsse, sonja

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  4. Beim Käfer zahlst du sicher den Namen mit. An mich wäre so ein Essen womöglich auch verschwendet, weil ich's bodenständig mag, aber einmal alle Jubeljahre und eingeladen ist es doch nett. Wird inzwischen eigentlich noch irgendwo gegessen ohne Fotosession?
    PS: Hat sie das Gläschen mit den Blaubeeren gewählt?

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  5. Preißndirndl - du hast es erraten. Und - ja, meistens esse ich ohne zu fotografieren, aber wenn es etwas mitteilenswertes gibt, gibt's auch Fotos - für Euch!
    Sonja, das mit der Zitrone find ich trotzdem übertrieben, mir ist der Zitronenkern lieber im Essen als so ein Kunststofftuch.
    Saxana, das Kloster kenne ich und mag es ganz besonders gerne.
    Barbara, wenn der Käfer mein Kramerladen an der Ecke wäre würde ich da auch einkaufen.

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  6. Ich finde die "verpackte" Zitrone super, somit hat man keine Kerne im Essen. Ich kenne es in Tüll gewickelt ;-)

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