Thursday, 1 September 2011

Ich bin da - bin ich hier?

So! Ein halbes Jahr auf dem LAND. Man sagt ja immer LAND, oder "Land", als wäre es ein kleines bisschen komisch. Der Wirt meiner Stammkneipe in München begrüßt mich nur noch mit "Hallo, Landei!"
Aber auch ein Grund, sich mal kurz hinzusetzen und zu überlegen: was hat's gebracht? Ein Grund, mal kurz mit arbeiten aufzuhören. Haha. Und eine Liste zu machen. Was fehlt? was ist zu viel?
Definitiv zu viele Mücken. Ins Bett gehen - nicht ohne meine Mückenklatsche! Nachts Fenster auf? Erst mal vergittern! Zu viele Traktoren (wir nennen sie ja Bulldogs, aber das versteht ihr dann wieder nicht) rasen zur Stoßzeit die Straße rauf und runter, oft auch mal von 8-jährigen Buben gelenkt. Zu viel Scheiße auf den Feldern. Kaum tröpfelt es, schon lauern die SUVs mit dem Naturdünger. Eine Menge Äpfel und Zwetschgen, die in Marmelade und Kuchen verwandelt werden wollen.
Zu wenig Terrassenwetter. Und wenn schon mal, dann fällt der Schirm um.
Was ist gut am Land? Ich vermisse München nicht so schmerzlich wie ich London damals vermisste. München ist auch näher als London, und ich bin jetzt älter und resistent.
Schön ist der Holler, und die Himbeeren, der nahe See, die morgendlichen Nebelfahnen, die Pferde, die Nähe der Familienbande. Die Berge im Föhn. Taglaching! Und die Küche!
Auch ein Auto zu haben, das hat was.
In der Stadt fuhr ich nur Rad und MVV.
Aber die lieben Radlwege, der Westpark, das nahe Tollwood wo wir oft abends schnell hinradelten. Das urbane Grüne halt, das ist schon anders als das echte, das fast zu authentische.
In der Stadt dachte ich, ich glotze zu viel TV. Jetzt 198 Sender. Mann.
Und jeden Tag muss ich Kuchen backen.
Das erinnert mich an eine Geschichte aus meinem englischen Leben. Einmal hat Fritz Teufel zwei Wochen in meiner Londoner WG gewohnt. Er entdeckte damals gerade seine Berufung zum Bäcker. Er kam und machte Apfelstrudel. Die WG jubelte und fraß. Am nächsten Tag kam ich heim: "Mhm, wieder Apfelstrudel!" Am dritten Tag: Oh, Apfelstrudel. Ich könnt euch den Rest denken...Tag 7: "oh nein!! nicht schon wieder...würg...!" Ich backe jetzt den 4. Tag Kuchen. Noch jubelt alles.
Und die Mücken, das ist bald vorbei. Dann kommt der Schnee.
Inzwischen machen wir Hollersirup. Holler pflücken. Waschen, abzupfen, aufkochen. Durch die (ohne Waschmittel) ausgekochte Windel in ein großes Gefäß abtropfen lassen. Den Saft mit Zucker - nach Geschmack - aufkochen und in saubere Flaschen abfüllen. Ich bewahre ihn im Kühlschrank auf, to be on the safe side.

Work in progress.

This is a riff about living in the country, six months after moving. About going to bed clutching a fly-swatter. About hundreds of apples on my tree, buckets of plums and baking a cake a day (hallo Tremlett - remember the apple strudel period, some time in the nineties?) About horses, tractors and smelly fields. what is it like now, living here? the birds, the bees (and the wasps).
A proper kitchen. Family life. A lake to swim in, mountains coming and going. Raspberries, walnuts on trees, and owning a car again after years of cycling - what's not to like?

It's work in progress, and the city is nearby.

6 comments:

  1. Hört sich so an, als müsstest du dich noch ein bisschen überreden, das Landleben wirklich gut zu finden. Ich hab's die 5,5 Jahre ja sehr genossen, aber das war ja nicht sooo ländlich wie du jetzt wohnst und eben auch nicht mir so einer unbegrenzten Zeitperspektive. Wird mein rotes Ross eigentlich mal bewegt, wenn du jetzt immer Auto fährst? ;-))

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  2. Ich bin auch auf den land;)) Gute Idee fuer dieses preseve;))

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  3. Der Holundersaft sieht so "satt" und schön aus. Das ist der Vorteil an der Natur und dem Land. Man sieht, schmeckt und riecht den Jahreskreisverlauf.

    Schon oder erst ein halbes Jahr auf dem "Land"? Wie die Zeit dahin rast.

    Hahaha... wie erfreulich das sich deine Mitbewohner und die Nachbarin noch an Deiner "Kuchen zu erstellen-Freude" erfreuen. Was im Übrigen an dem guten und experimentellen Kuchen liegen könnte und die Abwechslung ist ja nicht zu unterschätzen!!!

    Vielleicht hätte früher eine WG-Mitglied mal Birnen oder Pflaumen mitbringen sollen??

    Ganz lieben Gruß aus dem schön nebeligen herbstlichen Bremen - mitten in der Stadt.

    Oona

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  4. Kleiner Vergleichsausgleich: die Mücken, die waren da auf dem Land - und hier in der Stadt :-(
    Den Apfelstrudel hätt ich schon gern einmal gekostet, na gut, zweimal!

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  5. Oh dear ..... "das urbane Grün" ... made my day. Wüsnch Ihnen was Gutes.

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  6. Heehee! I enjoyed reading this riff So Much! Beide auf Deutsche and in English.

    I aspire to bake as much as you do, with seasonal fruit, and much appreciation, etc. (But only aspiring to bake, as yet.)

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