Thursday, 23 September 2010

Was wir lesen

Nach einem Tag mit dem Mütterlein (über unsere Reisepläne erzähle ich ein anderes Mal) schwelge ich nun, mit den Füßen in einem desinfizierenden Wasserbad, zum letzten Mal in meinen Ferien. Zum Glück ist meine Arbeitgeberin ein Engel an Geduld und ich darf mir Zeit lassen... Urlaub an sich ist ja ein banales Thema, jede fährt mal in Urlaub, es ist immer farbiger, größer, schneller als das Alltagsleben. Auf und davon, das ergibt auch tolle Fotos. Für mich war es auch eine Gelegenheit, mit meiner englischen "family" zusammenzusein, zu kochen, den Guardian zu lesen, und ungewöhnlich viele Bücher zu diskutieren. Elizabeth Bishop, eine wiederentdeckte amerikanische Dichterin, begleitete uns durch die Woche mit ihrem Gedicht "Questions of travel". Was wir sonst so lasen: Ralph geht zurück zu den Klassikern um herauszufinden, warum sie Klassiker sind und las Dickens, David Copperfield. Geraldine las, fasziniert und etwas verstört, "Housekeeping" von Marilynne Robinson, und Lionel Shrivers "We have to talk about Kevin", ein Buch darüber wie Eltern mit einem Kind umgehen das ihnen fremd wird. Mick mühte sich mit Carson McCullers ab; die Literatur des amerikanischen Südens ist ja eine reine Quälerei, von Selbstverstümmelung bis zu Kätzchen die in Briefkastenschlitze gesteckt werden... Von Debbie übernahm ich "Solace", von dem ich erst dachte "oh Gott, eine Geschichte über eine verlassene Frau, wie deprimierend, geht mich nichts an, Frau als Opfer" usw. Aber Nicci Gerrard (eine Hälfte des Krimischreiberteams Nicci French) bohrt geradewegs da rein, wo man etwas spürt, und ich ließ mich da gerne mitnehmen. OK - Südfrankreich riecht immer nach Kräutern, zum Frühstück gibt es saftige Feigen die die Finger klebrig machen, vor Wut wird ein Spiegel zerdeppert aber, was solls, es ist ein Roman. Als nächstes kommt Díckens dran: ich bin selbst überrascht dass ich bei meiner Liebe zu englischen Romanen des 19.Jhdts. noch nie was von ihm gelesen habe. Schau ma moi, ob's im 19.Jhrdt keine Klischees gab. Ach - ich habe übrigens - außer den Rough Guide to Spain - auch noch das erste Stieg Larssen-Buch gelesen. Schwamm drüber...
With my poor sore feet in a disinfecting footbath, after a day of Mother-Care yesterday, I have time to indulge in my holiday memories. (About my next project, "travels with Mum", at a later stage). Luckily, my employer is an angel of patience and is giving me extra slack, so I don't have to feel stressed. Holidays is really a bit of a banal subject - everybody does it, it's always more brilliant than real life and makes for colourful, amusing photos. This one was also an opportunity to reunite with my London "family", to cook together, exchange gossip, read the Guardian, talk about books we are reading. Elizabeth Bishop, a re-discovered american poet, was our "patron saint" with her poem "Questions of travel". Otherwise, Ralph has returned to the "canon" to find out why it is the canon. Currently, he is on a Dickens project. Geraldine read "Housekeeping" by Marilynne Robinson (I remember seeing a strangely affecting film by Mr. Gregory's Girl, Bill Forsyth, based on that book) which she found engrossing and disturbing. Mick had chosen to amuse himself with Carson McCullers "Reflections in a golden eye", a torturous book if ever there was one. American Southern literature is not known for its easy laughs, and this one with women mutilating themselves and men shoving kittens into letterboxes is no different. I had a browse of it and decided no thank you. Debbie gave me her finished copy of "Solace", and her description of it first put me off. But I became engrossed and moved by this - yes, banal - tale of a woman left by her husband and how she painfully heals herself. OK, there is the south of France forever fragrant with herbs and the juicy, dripping figs for breakfast, and the mirror shattered in a fit of rage, but, hey - it is a novel. Next, I am moving on to Dickens, who despite my love for the 19th century English novel I have never read. It remains to be seen if there are any clichés to be found there! Oh - and I read the Rough Guide to Spain and the first book of the Stieg Larssen trilogy - it will remain my last.

9 comments:

  1. okeee... gibt es da irgendeinen schnell-lese-trick den du anwedest?

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  2. wenn ich mir deine bilder anschaue - ihr seid auf sommerfrische gewesen. ausgehendes 19. jahrhundert, beginnendes 20. dazu dickens. so schön.

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  3. Im 19. Jahrhundert haben die Romane viele Figuren erfunden, die heute zu Klischees geworden sind. (So wie Shakespeare sich ständig bei heutigen Sprichwörtern und toten Metaphern zu bedienen scheint - sie aber in Wirklichkeit erfunden hat.)

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  4. prima Beobachtung von der lieben Kaltmamsell!
    Ingrid J.: NEIN - immer schön langsam...
    Ingrid im Woidviertl, hast recht, es war eine Art heiße Sommerfrische.

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  5. Oh, ich habe alle 3 Stieg Larsson Bände in der Reha gefressen und wäre gerne wie Lisbeth Salander...vor allem Hackerin.
    Ich projeziere mich gerade in das Bild auf dem alle lesen mit meiner englischen needlework rein, damit wäre das Gemälde aus dem 19. Jahrhundert komplett.

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  6. Barbara, ich weiß - ganz viele Leute haben die Bücher verschlungen, u.a. die abgebildete Geraldine. Wir hatten lange Diskussionen darüber, ob Lisbeth Salander eine feministische Ikone (Geraldine) ist oder eine Cartoonfigur (ich).

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  7. Entspannungsurlsaub ist für mich erst dann, wenn man sich hinsetzten und ein Buch nahezu am Stück verschlingen kann...dies hängt natürlich sowohl von der zur Verfügung stehenden Zeit UND dem Buch ab.

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  8. ahh Lesenurlaub. Das wäre es. Obwohl... ich würde denn eigentlich nicht viel anderes machen als jetzt.
    Alles Liebe Karin

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  9. auch eine feministische ikone kann eine cartoonfigur sein - bzw. eine cartoonfigur eine feministische ikone. jedenfalls in meiner welt ;-)

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