Tuesday, 14 December 2010

Koid is'!

Eingehüllt in dicke graue Wollstrumpfhosen, meine Haare schon mit ziemlich breitem weißen Todesstreifen, dicke Tasse Milchkaffee an meiner Seite, sehe ich aus wie die Illustration des charmanten Chansons, das ein hässlicher kleiner französischer Zwerg mal seiner Geliebten widmete "du lässt disch gehn, du lässt disch gehn".  Stimmt. Ich habe andere Sorgen. Muss mal wieder einen Artikel zusammenkleistern, diesmal über "the new conservatism", und dann meinen gräßlichen Schweizer Tourismusmarkt korrigieren. Bitte erinnert mich daran: NIE wieder ich einen großen Job annehmen, nur noch kurze schnelle Artikelchen.  Morgen is a Ruah, da kommt meine Freundin aus London, und am Samstag feiert das Mütterlein ihren 88.Geburtstag mit dem üblichen Open House. 88 darf man auch wirklich feiern, und wir "Kinder" eilen dann zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her, servieren Weißwürste, Weißbier, Kaffee und Kuchen, gefolgt von Einlagen ihrer reizenden Singgruppe. Und nächste Woche verwandle ich mich dann, frisch gefärbt und ausgeschlafen, in eine entspannte Vorweihnachtselfe. Zu essen gab's gestern leckere Tagliatelle mit einem Gemüsesugo: Frühlingszwiebeln, Knoblauch, eine große geraspelte Zucchini und eine Handvoll champignons dünsten, mit Pfeffer und Creme fraiche verfeinern, dazu Ofentomaten in Olivenöl und Oregano. 
Wrapped in my warmest and ugliest grey woollen tights, with my hair in dire need of fresh colour, a cup of milky coffee by my side, I am labouring over my latest article on The New Conservatism. Think David Cameron being considered a sex symbol. This will be followed by corrections to my most loathsome work project this year, so no time for beauty treatments just yet. Tomorrow dear Debbie is coming for a very quick visit, and on Saturday it's Mum's 88th birthday bonanza, an occasion worth making an effort for. We three "children" will be serving the all day white sausage brunch, accompanied by live singing from Mum's old girl group. Sweetness! Next week there will be time for beautyfication and uninterrupted sleep. Meanwhile, we had tagliatelle with a vegetable sauce made of chopped spring onions, mushrooms, garlic and a large grated courgette, finished off with pepper and creme fraiche and served with oven tomatoes, drizzled with olive oil.

24 comments:

Karin said...

Das Gemüsesugo liest sich toll. Bin schon gespannt was die entspannte Vorweihnachtselfe so schreibt. alles Liebe Karin

PepeB said...

Wer war denn noch mal dieser kleine hässliche französische Zwerg?
Und: Würde dich gerne mal als Vorweihnachtselfe sehen ...
Alles Gute fürs Mütterlein!

Lovelydays said...

Also Todesstreifen solltest du das Grau wirklich nicht nennen! ;-) Auch wenn Farbe sicherlich wunderbar ist und dir ja sehr gut steht! Also ich wünsche dir für's neue Jahr viele nette kleine, übersichtliche und finanziell lohnende Jobs. Und bis dahin: Keep warm in Bavarian Siberia.

noschoko said...

hihi, kichern bei der erinnerung an das chanson. so ein text ginge heut nur mehr als gangsta rap oder wie all die anderen sorten von musik heißen, wo die political correctness herausgefordert wird :)

liebste grüß
u

Oona said...

VORWEIHNACHTSELFE!!!! Ich kuller gleich vom Stuhl... ich lach mich kringelig!!!! Und das mit dem Todesstreifen habe ich erst spät verstanden. Der Groschen brauchte bei mir lange bis zur´ner Mark.
Bei mir ist es noch grau, braun,grau, braun. Nix färben. Noch nicht.

88 Jahre! Das muss gefeiert werden und ich hoffe, sie wird es genießen!
Grüße aus dem glitschigen Bremen
Oona

barbara said...

Todesstreifen.Friedhofsblümchen.
Let's rock the Silver!
Habe vor zwei Jahren das Färben eingestellt und kriege dafür Komplimente ohne Ende.
Guck Dir mal die Seite "Going Gray Looking Great" an - da bin ich übrigens auch zu finden...

Anonymous said...

War der hässliche Zwerg nicht Charles Aznavour? Hauptsache: gut gegessen!
Gruß vom Buchfink

365 Tage said...

das war er! ansonsten ja ganz charmant.
Barbara von Marine County???
http://goinggraylookinggreat.com/index.php?/great_grays/article/barbaras_story/

waldviertelleben said...

ich hab mich auch entschlossen, den todesstreifen rundum zu tragen, ist ok, das altersblond. besser als die fahle haut zwischen junggetäuschten strähnen zu sehen.

Suse said...

Ach was, Äußerlichkeiten werden doch bekanntermaßen vollkommen überbewertet...oder etwas nicht?

Petra aka Cascabel said...

Todesstreifen - das ist ja klasse, den Ausdruck kannte ich nicht nicht. Muss ich mal meinen Kids erzählen, wenn sie Weihnachten wieder hier sind. Meiner ist übrigens auch gerade wieder verschwunden ;-)

barbara said...

Ilse - Transitioning - First Newbie Class 09 - da bin ich zu finden. Nicht MC sondern München.
Und Rock The Silver.com ist auch ein blog den ich mag.

Anonymous said...

...ja koid ist hier auch, nicht mal mit zugeschaltetem Kachelofen wird es kuschelig, ich hab noch keinen todesstreifen, aber ziemlich viel weiß, bin grad in einer Phase, wo ich mich eigentlich drüber freu, endlich werd ich alt, das Alter hat doch auch Vorteile oder ist das auch nur eine illusion ???

Quer said...

Ach, wie schön das ist, ich könnte dir noch stundenlang zuhören, Ilse!

Das lässt misch läscheln!

Liebe Grüsse,
Brigitte

kvinna said...

Das Wort "Todesstreifen" finde ich geradezu erschreckend. Ich habe, seit ich dreizehn Jahre alt wurde, diese eine schlohweiße Haarsträhne in meinem sogenannten Dunkelblond. Seit zwei oder drei Jahren sehe ich immer im Spiegel der Friseurin ein paar silberne Fäden zwischen meinen andern Haaren. Ich stell's mir cool vor, wenn meine langen, glatten Haare irgendwann voll weiß sind. Allein - komm' ich nach meiner Oma väterlicherseits, die auch diese Strähne hatte, werde ich das wohl nicht erleben.

365 Tage said...

Ach Kvinna es tut mir Leid - ich habe schon immer so einen zynischen Stil gehabt, manchmal kann der schon erschrecken. Und denk daran - jedes Mal wenn sich die Gene mischen, kommt was neues, Kräftigeres dazu. Eine Silbersträhne ist auch was anderes als dieser ungepflegte graue Streifen, der einen jeden monat an die Vergänglichkeit erinnert.
Ich werde demnächst mal über DAS ALTER was schreiben...droh!

kvinna said...

Ilse, es ist gleich - ich werd's eh' nehmen, wie's kommt. Den Zynismus (Fatalismus?) teile ich indes nicht. Wozu mit Dingen hadern, die nicht zu ändern sind? Meine Mutter trägt "Kastanienrot" auf ihrem Kopf, so lange ich mich erinnern kann. Zu ihrem inzwischen fahlen Gesicht, dass zudem immer von Anti-Falten-Creme speckig glänzt, sieht das nicht mehr gut aus. Das ist mein Hintergrund, aus dem heraus ich eben nicht färbe. Aber meine Wahrheit ist ja nun nicht "die" Wahrheit.

Ingrid Jahn said...

mit dem grau in den haaren ist schon komisch ... ich kann nicht mehr färben weil ich die farbe nicht mehr vertrage - mir gehen dann die haare aus wie blöd - jetzt finde ich dass ich 15 jahre älter aussehe als ich bin - dann hadere ich wieder damit - dann denke ich mir "scheiß jugendwahn" - da geht mir so ähnlich wie mit meiner figur... ein echtes gefühlswirrwar

kvinna said...

Mir ist gerade ein Gedanke gekommen, der hier zu passen scheint. Mit Verlaub, es ist vielleicht heilsamer, aus sich selbst heraus zu schauen statt in einen Spiegel.

Stela said...

Hallo Ilse,das garstige Lied von Aznavour hat noch eine weitere Strophe:
deine schlampige Figur geht mir wider die Natur,früher warst du lieb und schön...du lässt disch gehhhn.
Der vater hat es oft für die Mutter gesungen weil er sich über diese Veränderung ärgerte.Meist kann man diese Frechheit ja mit einem Hinweis auf die eigene Veränderung zurückschicken,bei meinen Eltern gings nicht,da Vater
fit und gepflegt blieb...
Der Todesstreifen-ich mag deine sarkastische Art-ist mein Begleiter,seit ich dreißig bin.
Eine Linie unserer Familie kriegt nämlich mit dreißig schneeweiße Haare.Ich hab gehört wie meine ebenfalls dreißigjährige Freundin,die ihr ehemals pechschwarzes plötzlich schneeweiß gewordenes Haar nicht färbte als "Oma "von ihrem kleinen Sohn angesehen wurde,da fing ich an zu färben.
Und weil ich die Chemie absolut nicht vertrage wich, ich auf Henna aus was immer knallroter wurde je nach Helligkeit des Untergrundes.
Ich finde wie du das Altern erlebst, hat ganz viel mit deiner eigenen Erwartungshaltung zu tun.
Sicher ist es schwieriger schlank zu bleiben (z.B.)weil es eine Frechheit ist ,wie wenig du dann eigentlich noch essen kannst,aber wem es das wert ist,der kriegt es hin.
Meine Großmutter z.B. hielt sich für enorm jugendlich,reiste viel,lernte fremde Sprachen und der Zauber wirkte so weit,dass sie IMMER 10 Jahre jünger geschätzt wurde.
Ich finde es sehr wichtig,sich die Vorstellungen die man mit dem "Alter" verbindet, genau anzuschauen.
Woher kommen die und was für ein Gefühl hab ich persönlich dabei?
Natürlich weiß ich,dass manche Menschen schicksalhafte Erkrankungen oder Gebrechlichkeiten im Alter erfahren.Viele aber auch nicht.Viele locken diese Art der Alterung an:mit ihrer Erwartung.
Also ich würd mich freuen über einen Post zu diesem Thema!!!
Stela

Hannah said...

Hallo Ilse,

ich habe herzlich gelacht... ;-))

Todesstreifen - Vorweihnachtselfe

diese Worte kannte ich noch gar nicht - aber gerade dieser Stil zwischen Zynismus und optimistischem Humor macht mir Hoffnung, dass nach dem 50sten (bin auf der Zielgeraden) das Leben immer noch abwechslungsreich und lustig ist....

barbara said...

ihr lieben hier: ich möchte noch einmal eine lanze für die grauen haare brechen. schaut euch mal auf der oben erwähnten seite die vorher/nachher fotos der frauen an.
sie schauen allesamt besser aus als vorher. ein guter schnitt, die richtigen farben tragen und grau ist glamourös! und das mantra lautet: "grau ist eine farbe".
am schlimmsten finde ich die in einer roten, braunen oder sonstwie sauce getauchten helme.die kvinna hat schon recht, zu einer etwas heller werdenden haut mit zunehmenden fältchen wirkt das einfach nur hart. und unglaubwürdig ist es eh.

Anonymous said...

...ach und ich dachte, im Alter kann ich mich endlich gehen lassen, wieder nix damit.....das ist ja lästig, hört denn das nie auf ?

Constanze said...

Ich versuche gerade mal wieder, die Farbe rauswachsen und die Natur durchkommen zu lassen. Jetzt ist grad die schwierige Phase; letztes Jahr bin ich genau da umgekippt. Diesmal hab ich aber Unterstützung und ich wäre froh, wenn ich es schaffe. Die Henna-Batzerei finde ich schon lange nervig.
Aber du bist ja jetzt wieder frisch in Farbe. So ein günstiger Salon ist schon auch klasse.
Liebe Grüße in die Hauptstadt
Constanze