Monday, 23 January 2012

Lasst Erbsen schießen!

Letzten Oktober in London fiel mir auf, dass plötzlich "pea shoots" das Grünzeug du jour geworden sind. Kulinarische Moden ändern sich schnell in England: in den 90ern tranken in unserem Café alle Cranberry Juice und doppelte Espressos (espressi, Herr Polt?). Im neuen Jahrtausend ist Granatapfel der Supersaft und Filterkaffee ist wieder angesagt. Broccoli sind jetzt nicht mehr grün, sondern "purple sprouting"; getrocknete Tomaten verursachen ein Kopfschütteln. Niemand isst mehr cupcakes und Macarons, sondern Kuchen am Steckerl. Dagegen sind Beeren und Ziegenkäse ein Dauerbrenner, und der Mythos der "Superfoods" bleibt unwiderlegt.
Jedenfalls schmeckte das Erbsengrün lecker im Salat, sah putzig aus und war in englischen Supermärkten zu Apothekenpreisen zu haben, hier dagegen überhaupt nicht. Dann stieß ich auf diese Webseite. Ich kaufte eine Packung getrocknete (oder ist es getrockneter?) Erbsen und steckte sie völlig zwanglos in einen Topf mit Erde. In nur drei Wochen schoss das Kraut in die Höhe, unglaublich befriedigend,  und ich probierte es aus mit einem einfachen
Risotto
Risottoreis (Carnaroli, Arborio etc.) in etwas Öl glasig werden lassen, mit einem Schuss Wein aufgießen. Dann immer wieder Gemüsebrühedazugeben, oder Hühnerbrühe aus dem Gefrierfach und so was. Die Gemüsebrühe aus dem Bioladen ist salzig, also salze ich dann eher nicht. In etwas warmem Wasser löse ich eine Messerspitze Safran auf und mische es unter den Reis - eine Geschenk meiner lieben Freundin G! Danke!
Zum Schluss mische ich erhitzte TK-Erbsen darunter, ein Stück Butter und geriebenen Parmesan. Dazu dann die essbare Erbsensprossendeko, die das Risotto zum Kunstwerk verzaubert.
 
Last autumn in London I noticed pea shoots, suddenly pea shoots were everywhere. Pea shoots? Where did they come from? Still, every supermarket stocked them, my friends spread them on their stirfrys, they tasted nice and peppery (a bit like watercress, to be frank) and look charming. Food fashions are faddy in foodie circles. When we had the café in the 1990s, everyone was having double espressos and cranberry juice. Now, pomegranate is the new superjuice and filtered coffee seems to be making a comeback; broccoli have changed from ordinary green to purple sprouting; noone eats cupcakes and even macarons are being sniffed at. While sundried tomatoes are a bit last century, goat cheese keeps being melted on salads; and berries and the myth of the "superfoods" remain unchallenged. 
Anyway. Back home in Germany, not a trace of pea shoots - just as cranberry juice had not caught on when I had moved back to GE in 2001.
Then I found this website which shows how easy it is to grow the little devils yourself. A packet of ordinary supermarket dried peas randomly stuck in a pot full of earth, on the window sill. Three weeks later: result! So satisfying!
I tried them out in a simple risotto. You heat some oil, add a cup of rice (you know by now it has to be Arborio, Carnaroli or some such) and stir it until it looks glassy. Pour a shot of dry white wine in and stir, then add vegetable stock as you go. I had saffron - a gift from a very dear friend - of which I dissolved half a tsp in some hot water and added it to the pot. The rice should definitely not be al dente, and there is a bit of stirring involved. When it looks ready, add the heated up frozen peas, stir in a knob of butter and some freshly grated Parmesan. I put some sliced mushrooms on a stick and cooked them in the risotto. Enter the peashoots, stage left.

Und HIER ist die essbare Version für alle, die die andere "zu schön zum essen" finden
This is the edible version of the risotto for all those who think the other one is "too pretty to eat"

18 comments:

  1. Ja eben "Ich kaufte eine Packung getrocknete (oder ist es getrockneter?)"das frage ich mich immer wieder seitdem ich angefangen habe,Deutsch zu studieren!!!!Das tröstet mich, dass auch Muttersprachler manchmal Deutsch für rätselhaft halten...! Aber Deutsch bleibt für mich eine wunderschöne Sprache e questo risotto coi piselli secchi delizioso: sa di primavera...
    Valentina

    ReplyDelete
  2. wie lustig, Valentina - gerade im Moment hatte ich überlegt ob "delicious" auf italienisch tatsächlich "delizioso" heißt. É vero! mille grazie!

    ReplyDelete
  3. Schälerbsen, wer hätte das gedacht?
    Ich dachte bis jetzt, geschälte Erbsen könnten keine Samen sein, weil sie ohne Hülle und ergo verletzt seien. Aber ich probier's aus!
    Der Frühling wird kommen und wenn's zuerst auf dem window-sill ist.
    lg Ingrid

    ReplyDelete
  4. ideen muss frau haben, ich bin begeistert! das sieht sooo toll aus,
    dass da kein rohling eine gabel reinstechen sollte. ein diätteller für manuela.
    und ich frage mich immer wieder: wann machst du das alles????

    ReplyDelete
  5. wie? DIE sind gesprosst?
    die stehen auf meinem nächsten einkaufszettel yeah
    jamie oliver preist sie immer so an und ich war schon neidisch
    danke für den tip
    lg birgit

    ReplyDelete
  6. Es gibt ja Entwicklungen und Trends beim Essen, die gehen ganz glatt an mir vorbei.

    Sei's drum, DAS ist ein filigranes Gedicht.

    Und es ist eine Packung getrockneter Erbsen, meine ich. Wegen der Besitzanzeige.

    Der Ärger mit den Inhaltsstoffen der Gemüsebrühe indes ist nicht an mir vorbeigegangen.

    Es läuft in meinem Umkreis gerade ein Experiment, diese selbst herzustellen. Nicht schwierig und haltbar.

    Ich werde berichten.

    ReplyDelete
  7. Da ist er wieder....ICH WILL AUCH! Der Satz, der mich antreibt, mir Flügel verleiht, mich tätig werden läßt :) Ich will auch so wunderschönes, zartes ERBSENGRÜN auf meinem Teller. DANKE für den post :)

    ReplyDelete
  8. Auch die "essbare" Version sieht fast zu schön zum essen aus. Und dann noch die Frage: Was sind Kuchen am Steckerl????

    ReplyDelete
  9. Nach diesem Post werd ich mir ernsthaft überlegen in Erbsen-Aktien zu investieren, die schießen bei diesen Fotos bestimmt in den Himmel!!!
    Schönen Tag noch,
    Doris

    ReplyDelete
  10. ...was fuer eine wunderbare, Phantasievolle Kreation, jeder Haubenkoch kann einpacken !!

    aber essen taet ichs trotzdem !

    schoenen gruss auch wien

    das orakel spricht von vitenimp, passt doch wunderbar

    ReplyDelete
  11. Hello Ilse, sorry to contact you like this, but I can't find your email anywhere on the blog. Some time ago, you posted a mouth-watering recipe for waffles. I can't find a "search this blog" option either. Can you please send it to me? My e-mail is deana.vidanovic@gmail.com. Thanks!

    ReplyDelete
  12. Tolle Idee. Ich habe noch eine Packung, das werde ich gleich einmal antesten. Alles Liebe Karin

    ReplyDelete
  13. Was für eine geniale Idee
    "Erbsenpflänzchen", sieht zum Reinbeißen aus.
    Bei uns hier wächst noch wie verrückt die Vogelmiere, aber wie, (o. auch ´Hühnerdarm´genannt) - kein Schnee, kein wirklicher Frost - im Geschmack dem Erbengrün ähnlich... wird auch Erbenskraut genannt.

    So ein appetitlicher Anblick. Merco für die Anregung.
    LG BB

    ReplyDelete
  14. Nehm ich sofort, dazu Müller-Thurgau oder Silvaner?

    ReplyDelete
  15. Das ist ja genial!
    Das muss ich unbedingt ausprobieren. Gewiß schmeckt das Zeug überall, auch im Salat!
    Danke für diesen tollen Post. Und natürlich für ein weiteres himmlisches Risotto-Rezept ;-)

    Liebe Grüße
    Beltane

    ReplyDelete
  16. Herrgottnochmal bin ich bescheuert! Die ganze Zeit warte ich auf den Frühling, um endlich Erbsen auszusäen und wusste gleichzeitig auch, dass das Erbsengrün immer ganz schnell von der Minierfliege angefallen wird und das mag ich dann gar nicht und dann kommst du daher und machst das einfach in Blumentopf im Haus im Winter...

    Erbsen gesät, Auftrag erledigt!

    ReplyDelete
  17. was für eine tolle Idee, vielen Dank
    lieben Gruß
    Gaby

    ReplyDelete