Monday, 27 February 2012

Lokalkolorit

In Grafing macht gerade eins der Einkaufsparadiese meiner Mutter zu, der Hafenmair (auf dem Bild bei einer der Leonhardifahrten). Im einzigen Geschäft in Grafing, wo man Töpfe, Geschirr und Haushaltskram kaufen kann, geht einfach nichts mehr. Die Verkäuferin erzählte unter Tränen, seit 50 Jahren sei sie hier und jetzt kommen die Leute nur noch und lassen sich beraten und bestellen dann im Internet. Ich hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen, weil auch ich mich von der unsichtbaren Hand des Marktes hauptsächlich Richtung München oder schwedisches Möbelhaus leiten lasse. Einer nach dem anderen verschwinden Namen, die in Kleinstädten ja eine feste Größe sind: Drogerie Daxenberger, das Fruchthaus Boni, der Grießmüller, Milli-Mayer, Hut Mayer, und jetzt der Hafenmair (das große Maier-Sterben?). Jetzt gibt es halt nur noch Edeka, Rossmann, Aldi etc. - den Schlecker gibt es ja vielleicht auch bald nicht mehr, wobei sich hier die Tränen in Grenzen halten. Die Farbe verschwindet aus den Kleinstädten. Aber nicht ganz!
Denn diesen herrlich bunten Plastikteller habe ich noch schnell beim Hafenmair gekauft, und dazu gleich einen Mohnkuchen gebacken.
 Das Rezept stammt aus dem zauberhaften Kochbuch von  Delicious Days; ich habe es ganz leicht verändert und mit einem sehr großrügigen Zitronen/Puderzuckerguss, äh, begossen. Dadurch schmeckt er sehr zitronig. Habe mich auch an Nicoles Rat gehalten, alle Zutaten bei Zimmertemperatur zu verarbeiten, was mehr Vorausplanung verlangt, als ich normalerweise aufbringe. Aber es lohnt sich.

250g weiche Butter mit 180g Zucker schaumig rühren. Nach und nach 5 Eier reinrühren, dann 100g Mohn und 70g creme fraiche dazugeben. Eine heiß gewaschene Biozitrone in den Teig abreiben - mit dem Saft anschließend den Guß machen, indem ihr so viel Puderzucker reinrührt bis er gießbar ist.
Zum Schluss 200g Mehl, gemischt mit 2El Backpulver, darunterheben. Rühren, in die gebutterte und bemehlte Form eurer Wahl gießen und ca. 45 Minuten bei 180°C (160° Umluft). backen - bis das Test-Holzsteckerl sauber rauskommt. Wenn abgekühlt, Guss drüber. Schmeckt überraschend gut mit Schlagrahm. Und einem alten Fischmesser.
Sunday is cake day, and this Poppyseed cake goes peculiarly well with those late-Feb-stay-at-home days. I adapted a recipe from Munich blogger Deliciousdays' really wonderful cookbook.
One of my Mum's favourite shops in our little home town is closing, very sadly.
However, I managed to grab this Dee-liteful multicoloured cake plate to sit my splendid poppyseed queen on.

Preheat the oven to 180°C (160° fan assisted). For best results, all ingredients should have room temperature. Prepare the baking dish in advance: Brush it generously with soft butter (I use the butter wrapping to do this) and dust it with flour thoroughly, then give the up-side-down tin a pat on the back to get rid of excess flour.
Now cream together 210g butter and sugar until smooth, then add five eggs, one by one, 100g ground poppy seed, 70g crème fraîche (if you like, the zest of an organic lemon), always stirring. Finally, add 200g flour with 2 tsp baking powder to the batter and stir until everything is well blended.
Pour batter into the prepared baking tin and bake just below the middle rack in your preheated oven, for about 45-50 minutes, or until a wooden skewer comes out clean. Let the cake cool for about 10 minutes, then turn it onto a plate. 
I made icing from the zested and juiced lemon with icing sugar - LOTS of it!

17 comments:

kvinna said...

Für Zitronenguss geh' ich ja notfalls durch die Wüste - aber Mohnkuchen...

Am Niederrhein ist dasselbe Ladensterben im Gang.

Ich versuch' immer, mich nur bei richtig großen Investitionen an die Konsumriesen zu halten, aber das wird immer schwieriger.

Den richtig guten Schreibwarenladen und den Haushaltswarenladen daneben (letzterer inzwischen der einzige im ganzen südlichen und zentralen Stadtgebiet!) unterstütze ich, wo ich nur kann!!!

Aufruf zum Lokalpatriotismus!!!

waldviertelleben said...

ja, so isses, das alte stirbt aus und neue zeiten brechen an.
ich verstehe bei all den modernitäten nur nicht, dass noch keine einen internetilsekuchenversand erfunden hat. den kaffee dazu hätt ich daheim.
lg
ingrid

Smilla said...

Es gibt doch immer wieder triftige Gründe für einen neuen Kuchen!! Werde mir das Rezept merken!! Merci...

Dein Header macht mich übrigens ganz giggerig!! Uns ist ausser dem Nüsslisalat alles Grünzeug abgefroren....
Sei ♥-lich gegrüsst und heb's guät bbbbb

Ingrid Jahn said...

das thema wurde ja auch in dem film "eine ganz heiße nummer" aufbereitet. hier: lebensmittelladen in einer kleinstadt im bayrischen wald.

Schwemmholz said...

wirklich schade um die "kramerläden" - samt ihren netten namen wie boni und milli...!
der mohnkuchen ist mich richtig angesprungen, den werd ich gleich mal ausprobieren.
liebe seegrüße
karin

bea said...

Lecker schaut er aus, der Kuchen( ich liiiebe Mohn!) und bei deinem Header läuft mir so richtig das Wasser im Mund zusammen. So schön bunt!
Dass die Kleinen schliesen müssen finde ich auch schade, vor allem die kleinen Dorfläden...
Zum Glück noch nicht überall,unserer hier im Dorf ist immer noch der Anlaufpunkt für Käufe aller im Supermarkt vergessenen Kleinigkeiten und dazu gibt es gratis den ganzen Tratsch der letzten Tage :)

barbara said...

dieses einzelhandelsterben hat's in münchen leider auch. kürzlich stand ich vor dem laden vom lampen merkl am radlsteg, der alle merkwürdigkeiten an leuchtmitteln verkaufte: weg, dafür irgendein modischer irgendwas drin.
ich freue mich -noch- über den kamm weniger am viktualienmarkt und dem angrenzenden holzladen (und da kaufe ich auch.
aber ich bekenne, daß ich begeistert online einkaufe. und in englschalking gibt's den großartigen mächtlinger, der alles hat was man in haus und küche und rundumadum braucht.

Oona said...

So ein frühlingsfrische Teller mit lecker Mohnkuchen.

Zitronenguß ist nicht meins, aber wenn´s schee macht. Sauer macht lustig.

Hier werden die guten Läden auch weniger. Aber ein paar halten die Stellung, und wenn ich gerade etwas suche und dran denke kaufe ich dort.

Aber im Moment muss ich einfach nur in den Keller gehen. Der ist eine Fundgrube für Küchenhilfen, die ich Jahr für Jahr in den Keller verbannt habe.

356 Tage said...

Ich finde es auch am schlimmsten, wenn die kleinen nützlichen Lädchen ersetzt werden durch Läden-mit-Scheiß-den-kein-Mensch-braucht!
Was den Kuchenversand betrifft: ihr seht es ja selber, wie schwierig das ist-eine mag den Mohn, die andere nur den Guss! Am besten jede backt für sich und wer gerade vorbeikommt.

kvinna said...

Ja, nu, manchmal nörgel' ich halt'!

Heute, groben Senf gekauft für ein neues Rezept, schnell beim EDEKA. Da steht ein älteres Paar hinter mir und kauft nix als eine von diesen gläsernen Kaffee/Teekannen.

Und ich wette, wenn der drei Gehminuten vom Supermarkt entfernte Haushaltswarenladen dann doch irgendwann mal schließen sollte, werden genau diese beiden keine Ahnung haben, wie das nur passieren konnte....

Anonymous said...

Hallo Ilse,
mit was mahlst Du den Mohn,ich habe keine Mohnmühle, geht da auch eine elektrische Kaffeemühle ??
lb.Grüße Claudia

Ich will............. said...

Ja, wir sind mit in der Schuld. So isses leider. Im Kleinen kaufe ich bei Kleinen. Ramschläden ignoriere ich und ärgere meine Freundinnen, wenn sie in welchen einkaufen. Second hand ist oft erste Wahl. Da ich einkaufen insgesamt sehr
verabscheue, fällt mir also Verzicht nicht schwer.
Liebe Ilse, ich muss backen, da meine Damen eine Geburtstagsnachfeier erwarten, danke fürs Rezept.
M. die gern noch in Portugal wäre.

356 Tage said...

Claudia, ich hab ihn garnicht gemahlen, habe das Wort "gemahlen" voll verdrängt. Aber elektrische Kaffeemühle geht für solche Dinge sehr gut,meine gab's in München in der Diakonie second-hand.
Ich will...:dieser Kuchen geht doch immer!
und Kvinna..groben Senf für neues Rezept - wie wäre es mit zeigen???

kvinna said...

Liebe Ilse,

leider habe ich das meiste selbst essen müssen, weil am Geschmack der Kinder offenbar vorbeigekocht. Den nicht mehr ansehnlichen Rest hat der Holde am Abend verspeist.

Also kein Foto.

Aber es war schnell und einfach zuzubereiten: Pellkartoffeln in Scheiben in eine Auflaufform schichten, gesalzenes & gepfeffertes Lachsfilet oben drauf und eine Masse aus Creme frâiche, grobem Senf und Dill, die mit Salz & Pfeffer abgeschmeckt ist, darüberstreichen, bei etwa 200°C etwa 20 Minuten in der Mitte des Ofens garen.

Ich habe mit grobem Senf überhaupt keine Erfahrung und hatte nur einen sehr säuerlichen gefunden, mit Weißwein.

Davon nahm ich wohl zuviel...

Anonymous said...

...und am schlimmsten sind diese dinger, die jetzt an autobahnknotenpunkten gebaut werden- richtige mega-shopping-tempel werden das.
wirklich arg dabei ist, dass sie nur mehr per auto erreichbar sind und das hat natürlich auswirkungen aufs klima.

ich kenne übrigens eine greißlerin ( wienerisch für tante-emma-laden), die sich sehr wagemutig gegen einen interspar auf der anderen straßenseite behauptet.

lg, christa

Aliza said...

bellissimo questo post e buon compleanno al tuo blog!! ciao

Ich will............. said...

ich habe ihn gebacken ...........in variation, liebe ilse. leider habe ich kein SCHÖNES foto geschossen, aber beweisfotos sind vorhanden.
also wenn du mal creme fraiche ersetzen mußt, eierlikör geht auch.
liebe grüße von der kuchenbäckerin
manuela