Wednesday, 12 September 2012

Spiele mit Brot

Brot wegzuschmeißen ist eins der letzten großen Tabus, wahrscheinlich in allen Familien die noch irgendwie "den Krieg" mitgekriegt haben, also eine Zeit in der das Essen nicht in Hülle und Fülle auf Supermarktregalen wuchs. Als ich heute meine Mutter bei ihrem Stammtisch abholte, zeigt ihre Freundin Anni auf ein Stück Semmel "do, du host no a Semme". Mog i nimmer, sagt Mütterlein und schaut mich fragend an. Äh, nein, danke. Also wird das winzige Stück Semmel der Maria gegeben, die es in eine Tüte steckt. Dann kriegen es die Hühner.
Auch ich versuche immer brav, alles aufzubrauchen. Eine große Hilfe dabei sind zwei Gerichte, die wahrlich kein Notessen darstellen. Hier oben sehen wir die Armen Ritter, oder French Toast, die man mit allen möglichen Weißbrotarten machen kann. Diese hier sind vom Feinsten, aus altgewordenen Rohrnudeln, die ja wiederum mit Brioches nahe verwandt sind.
Einfach in Scheiben schneiden, kurz in Milch einweichen und dann in einem verschlagenen Ei wenden, in das ich natürlich etwas Tonkabohne gerieben habe. In Butterschmalz oder Öl braten und puderzuckern. Dazu gab es aus dem reichlichen herbstlichen Obstangebot ein Zwetschgenkompott, aber eines das den Namen Röster verdient: Butter in einer Pfanne erhitzen und Zucker etwas karamellisieren lassen, dann die Zwetschgenhälften darin weichkochen. Macht garantiert nicht dick.
One of the last great taboos in every family where someone has lived through the War - i.e. a time before food grew plentiful on supermarket shelves -  is throwing away bread. A complete no-no. As I mentioned before, Mum always tries to offload her left-over bits of white roll on me. Sometimes I make bread dumplings with them. Today in the café with her friends, she tried it on again, I said no thank you, you shouldn't... So it was handed to her friend Maria, who collects all the bits and gives it to her chickens.
One delicious way to dispose of white bread is of course French toast, which I make regularly. This one was made with stale brioche bread and particularly delicious. You know how it's done, but I will say it again. Soak the bread in milk briefly, not so it becomes mush. Then dip it in a beaten egg, I grated some tonka bean into it (I am crazy about tonka beans at the moment) and fry it in ghee or good oil until GOLDEN.
I ate them with a caramelised damson compote (damson is so in season right now, it falls off the trees): heat butter in a pan, throw some sugar in and make it bubble. Then add the fruit, stir it until it's cooked.
Richtig gutes Bauernbrot wegzuwerfen fällt auch mir schwer. An die Pferde dürfen wir es hier nicht verfüttern, also mache ich hin und wieder eine richtige Omasuppe: Brotsuppe gab es bei uns oft als ich ein Kind war, oft auch mit gekochten Kartoffeln und manchmal mit gerösteter Blut-und-Leberwurst. Ich habe sie im Stil der Sopa Alentejana gemacht, mit viel Knoblauch. Dieser wird in der Brühe deiner Wahl weichgekocht, dann pro Person ein Ei in die kochende Brühe reinschlagen und pochieren - also möglichst nicht verrühren. Eigentlich gehört viel Petersilie oder Korianderkraut rein, aber ich hatte nur Schnittlauch. Kurz vor dem Servieren die Brotstücke reinwerfen, und schnell essen.
When I have good rye bread I find it even harder to throw it out, and since we are not allowed to give it to the horses, I make this lovely bread soup in the style of Sopa Alentejana, which is of course made with white bread. Put as many garlic cloves as you like - I used five - in a stock of your choice, boil it for a little while and poach one egg per person in the broth. I had neither parsley nor coriander, so I just used chives. Before serving, put the cubed bread in the soup and dish it out quickly.
Morgen fahre ich ein paar Tage weg, und da kommt auch die Sonne wieder. Ja, ich mache schon wieder Urlaub.
Tomorrow I am off for a few days, and the Sun is back. Yes,  I am going away. Exciting, what.

12 comments:

  1. ....und ich hab heute das alte brot eingeheizt. das darf man gerade noch.
    hab schöne tage und lass es dir gut gehen!
    liebgrüßt
    ingrid

    ReplyDelete
  2. aha Ingrid, Bio-fuel! an Ofen müsst ma haben!

    ReplyDelete

  3. ja einheizen ist auch ein möglichkeit, aber ich bin doch lieber fürs kochen.....wunderbare günstige rezepte, die brauch ich auch momentan, damit ich dann wieder auf urlaub fahren kann !!

    grüße aus der regnerischen stadt

    ReplyDelete
  4. Interesting. French toast machen wir auch ab und zu. Was ich interessant fand waren Tonka Bohnen - kannte ich nicht - musste erst mal googlen, und siehe da, verboten, gebannt (verbannt?) in den Staaten.
    Also muss ich mich mit Vanille Bohnen zufrieden geben.
    Viel Spass!

    ReplyDelete
  5. Wir haben eigentlich nie Brotresten....und das Brot für die Hühner - an die Pforte gehängt für die Esel - macht mich nicht glustig zum Verzehr.... aber wenn ich deine Leckereien da sehe, werde ich doch sauber und glatt einmal einige Brotschnitten verstecken!
    Liebe Ilse,
    ich wünsche dir traumhafte Ferientage... werde dich Ende Monat ablösen ; )
    Heb's guät und bis dänn wenn...
    Brigitte

    ReplyDelete
  6. Hm, ich krieg das ja auch noch nicht hin, Brot wegzuschmeißen und bin glücklich, eines entdeckt zu haben (wenn ich´s kaufe; oft back ich selbst), das 2 Wochen hält. Wirds hart machen wir Brösel draus, weil ich "Geditschtes" gruselig finde...
    Und diese "Rohrnudeln": ist das so ein hefiges, mit Butter umpinseltes und in einer Form gebackenes Etwas? Wo frau Milch dran gießt vorm Backen? Dann hätt ich bitte, bitte gern das Rezept (hab mein ultimatives nämlich versielt)...

    ReplyDelete
  7. Arme Ritter - sooo lecker!!! Die "Madeleine" meiner Kindheit.
    Wiederentdeckt während meiner Zeit in Spanien - als torijas - sehr lecker mit viel Zimt -wird um die Fastenzeit sehr gerne gemacht.

    Und ich hatte das alles ganz vergessen ... bis ich deinen Post grade las...

    Das gibt es diese Tage noch ! Gazn sicher! Danke fürs Einnern. Und: Brot wegwerfen geht ja gar nicht!! Nur wenn es schimmelig ist!

    liebe Grüße von Ellen

    ReplyDelete
  8. Mit Ideen läßt sich auf so vielen "alten" Nahrungsmitteln noch wunderbare Speisen zuzubereiten. Ich finde es weiterhin beeindruckend, wie spielend leicht Dir das gelingt.
    Viel Freude und Sonne im Urlaub wünscht Dir
    Oona

    ReplyDelete
  9. Arme Ritter mag ich sehr gerne, aber mit Brotsuppe könntest du mich jagen. Erklär mir doch bitte mal das Geheimnis der Tonkabohne.
    Dankeschön im Voraus,
    Constanze

    ReplyDelete
  10. Uiuiuiui, wollte eigentlich grad schreiben, wenn man meint, man könnte was nachkochen, nach nur einmal lesen ... und sich eigentlich überschätzt hat. Aber jetzt stelle ich fest, dass es daran gar nicht liegt, denn ich habe es tatsächlich so gemacht, wie du es beschrieben hast :-(
    Nämlich das Zwetschgenröster. Hatte vom Datschi belegen noch Zwetschgen übrig und wollte Kompott kochen, warum also nicht gleich das Röster?
    Das Caramell hat aber den Kochlöffel bisserl geschmolzen und wurde ganz schnell hart.
    Vielleicht wirds aber trotzdem noch.

    ReplyDelete
  11. Das "immer noch was draus machen" und nicht weg wefen,......hab' auch ich noch gelernt.
    Ist wohl auch einer der Gründe, dass ich mich so schwer von was trennen kann. ein anderer mag sein, dass es zu DDR-Zeiten halt vieles nicht gab und ich froh war, wenn ich's dann endlich mal hatte.
    Essen hatte ich schon immer, da ich in einer Bäckerei groß geworden bin.
    Aber albackenes Brot oder Brötchen wurde auch für die Tiere gesammelt.
    ....und aus Erfahrung wußte ich auch, dass ich auch schon mal nach jahren in Eckenstöbere, um etwas Altes wieder hervor zu kramen.
    Liebe Grüße
    Rosi

    ReplyDelete
  12. Looks realy nice, good photo, good post. Looking forward to my next trip to Bavaria in November.
    Echte Brot, ist Bayern das beste Brot der Welt. Also some cool music from Acid Pauli, The Notwist.

    ReplyDelete