Tuesday, 13 October 2015

Wenn's draußen graut, ruft die Küche

Manche Tage sind eben langweilig. Grau. Kalt. Nicht inspirierend. An manchen Tagen ist das tollste, was man schafft, ein paar Punkte an der to-do-Liste abzuarbeiten. Die Steuer wartet noch, aber ich hab die Zwetschgen in Marmelade verwandelt, den Elektroschrott auf den Wertstoffhof gefahren, das Suppenhuhn gekocht und ins Eisfach gestopft und mir die grüne Plakette fürs Auto besorgt.
Aber: nach der Wäsche ist vor der Wäsche, und endlich Klo geputzt? eine Sysiphosarbeit.
(Übrigens muss man sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen, sagt Camus, "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen". Ich weiß nicht, wie viele Klos Camus geputzt hat.)

Zumindest habe ich, seit meine Mutter nicht mehr lebt - und wie gruslig schnell man sich daran gewöhnt, das zu sagen, "sie lebt nicht mehr" - kein Bügeleisen mehr in der Hand gehabt. Und die Winterreifen muss ich auch nur einmal im Jahr aufziehen lassen. Ich habe längst akzeptiert, dass es vernünftiger ist, mein Geld  mit dem zu verdienen, was mir leicht fällt und anderen - ich geb's zu, Männern - die das richtig gut können, genau dieses Geld dafür zu geben, dass sie Reifen wechseln, Ausgüsse entblocken und Wände streichen. 
Ich kann dafür kochen, und das vergoldet mir auch den greislichsten Tag!
Vor allem, wenn ich im Kühlschrank noch einen Rest Pastateig habe, sowie etwas übrige Bolognese-Hackfleischsoße. Dann mache ich blitzschnell ein paar Teigtäschchen:
Teig mit dem Nudelholz so dünn wie möglich ausrollen
Mit einem großen Glas runde Teigscheiben ausstechen
Einen Löffel Hackfleischfüllung draufsetzen
Und dann kreativ krendeln!
Im Dampfgarer (oder im Bambuskorb über ein wenig kochendem Wasser im Topf gesetzt) ca. 15-20 Minuten dämpfen.
Mit dem restlichen Ragú essen. 
Und dann: auf geht's mit dem nächsten Apfelkuchen
Die schönen Sonnentage kommen ja bald wieder!
Some days are gray. cold. not inspiring. Some days, the best you can hope to achieve is to tick off a few items on your to-do list. The tax return is still lurking, but I have turned plums into preserve, I driven my bits of electrical rubbish to the tip, I've boiled the chicken and stored the soup in the freezer and I got my green sticker for the car (you need this to drive into Munich - tourists need it, too, by the way).
But after the wash is before the wash, and if you think you just cleaned the toilet...it's an uphill struggle.
At least I haven't had to do any ironing since my Mum died (and how eerily easy it seems to write these words, Mum and died). I changed my winter tyres - a job that only needs doing once a year, and it is done by a man in the garage. I have long understood that there is nothing to be gained from doing jobs I hate and can't do: unblock sinks, decorate, change tyres. I'm good at other stuff.
For instance: cooking
It's easiest, when there is some left-over pasta dough in the fridge, and a bit of bolognese sauce in the pan.
You roll out the dough as thinly as you can, cut out rounds (e.g. with a large glass)
Put a dollop of meat sauce on each round, and close the dumpling (look here about 11th minute on how to do this.
place the dumplings in a steamer (or in a bamboo basket over a pot with boiling water) and steam for 15-20 minutes
Eat with the remaining meat sauce - yum!
and then....start baking your apple tart! Sunny days will return.

12 comments:

  1. Greislich, aber Frau Spinne war ziemlich emsig (fantatisches Netz), genau wie du! Liebe Grüße Petra
    (Mein Katzometer zeigt heute einen "faulen Tag" an, das kleine Fellbündel pennt einfach durch.)

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    1. Bei Katzometer musste ich laut lachen. Jede Frau braucht eins.

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  2. Oh, deine Apfeltarte sieht aber auch sehr verlockend aus!!
    So ein Dampf-Dings muss ich mir auch mal zulegen. In Berlin gibts ja einen Haufen Asienläden, vielleichtwerde ich da mal fündig. Aber wenn ich dran denke, dass ich Ende der 80er Jahre mal einen echten Aluminium-Cous-Cous-Topf aus Paris heim geschleppt habe und dann beim Umzug nach Bayern mir jetzt unverständlicherweise entsorgt habe - kann ich es immer noch nicht fassen! Apropos Cous-Cous: eine Kollegin weilt grade in einem arabischen Land. Ich habe sie beauftragt, Ras-el-hanout und ähnliches aus dem Basar mitzubringen! So langsam werden ja die Vorräte knapp! Genieße die "dull days", die sind doch wirklich Gold wert!

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    1. Oh wie schade, Ulrike! Das festigt meine unsinnige Politik, keine Küchengeräte wegzuschmeißen - und wenn sie noch so esoterisch sind und 364 Tage im Jahr nur im Keller stehen.

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  3. "Nach der Wäsche ist vor der Wäsche", :-D ich hätte es nicht schöner schreiben können. Ja, so sysiphosisch fühlt es sich manchmal an. Gut zu wissen, dass das erfüllend sein kann - und dass es Teigtaschen gibt!

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    1. Ein Mensch der gern kocht ist ein glücklicher Mensch - so ist es.

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  4. Solche Tage kenn ich auch nur zu gut. Oft ist das einzige, das ich zusammenbringe, wenn wir nach der Arbeit nach Hause kommen, das gemeinsame Sudoku mit meinem Mitkoch (wer schaffts schneller) und ein bisschen kochen ...

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    1. Wie süß! Mein mit-Frühstücker und ich haben eine andere Arbeitsteilung: er Sudoku, ich Kreuzworträtsel.

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  5. "Ich kann dafür kochen, und das vergoldet mir auch den greislichsten Tag!"
    das hat meinen gestern auch gerettet. der acht-überstunden-verlust hat sich nur ertragen lassen, weil jetzt alle nachgereiften tomaten und sämtliche kürbisse "eingetütet" sind :D

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    1. Ein 'acht-überstunden-verlust' übersteigt zwar meine Vorstellungskraft, liebe Manuela, aber die Befriedigung des Eingetütethabens kann ich lebhaft nachvollziehen!

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  6. Eine schöne Apfel-Kuchen-Herbst-Collage, Ilse.

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