Sunday, 31 July 2016

Servus Bayern!

Bayern ist so schön. Aber es stinkt. Sobald sich ein Regentropfen ankündigt, wird hier draußen gegüllt, dass die Schwarten krachen (OK - dann wird wenigstens nicht Rasen gemäht, man freut sich ja über jeden Ruhemoment...)
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This post is about the smelly side of Bavaria - invisible but all-pervasive. The slurry wars farmers are fighting against the population. There is too much milk, too many cows, and the fields are full of maize for feeding cows and powering cars with "bio"gas.
Every German eats some 60kg of meat a year, and the smell will go on.
Ich bin aufgewachsen mit einem kindlichen Respekt vor dem Bauernstand, aber seit ich hier draußen wohne, werden mir viele Bauern echt unsympathisch. Die intensive Rinderhaltung (und dann Geld von der EU dafür dass sie keine Milch produzieren).
Ich würde ja nichts sagen, wenn Essen angebaut würde, aber die Bauern hier sind größtenteils "Energiebauern" die fast ausschließliche Mais anbauen, der dann in den Kuppeln, die überall aus dem Boden wachsen, zu Biogas verarbeitet wird. Oder durch die Kühe läuft und zu Gülle wird.

Weniger Tiere zu halten und dafür auf Kraftfutter zu verzichten und sie auf der Weide Gras fressen zu lassen, das ist leider kein Diskussionsthema für den Bauernverband, wenn die Milch beim Discounter nicht mehr als 50 Cent kosten darf.
Und jederR Deutsche braucht ja seine 60kg Fleisch im Jahr, und das muss irgendwo herkommen.

Den Mythos vom Bauern, der im Schweiße seines Angesichts unser Essen anbaut, kann man vergessen. Stattdessen machen die 12-jährigen Söhne mit haushohen Traktoren die Sträßchen unsicher, wenn sie viel zu schnell - und am Handy - den Berg vor meinem Haus runterdonnern.
Was hier angebaut wird, das macht den Boden total kaputt und unser Trinkwasser untrinkbar.
Heute in meinem See hatte ich das Gefühl, in der Gülle zu schwimmen, so hat es gestunken ringsum.
Natürlich, wenn es schön ist auf dem Land, ist es wunderbar.
Aber mir stinkt er langsam. Fenster zu!
Oh, und wenn ich schon beim Meckern bin - die Kirchenglocken sind mir hier auch zu dominant....)
Und vor bio, vegan und vegetarisch ist man übrigens auf dem Land auch sicher: Eingekauft wird bei A**i, mittags gibt's Schweinderl, und jede Woche ist irgendwo Kesselfleischessen..
Kesseltofu ist mir dagegen bisher nicht untergekommen.

23 comments:

  1. haha. aus dir spricht die landliebe. :-)
    landeigrüße
    ingrid

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    1. Ich vermute, im Waldviertel stinkt's eher weniger?

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    2. um mich herum ist mehr wald. und die bauern haben da mit der landwirtschaft aufgehört. die wiesen werden ab und an gedüngt. aber das ist auszuhalten. 3-4 tage im jahr.

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  2. genauso ist es, man darf es auf dem Land nur nicht laut aussprechen.....bei mir donnern die haushohen Traktoren am Haus vorbei, ohne Rücksicht...., die Kühe bleiben bei jedem Wetter im Stall und sehen höchstens mal einen Sonnenstrahl durch die offene Stalltüre...., sehr sehr vereinzelt sieht man Tiere auf der Weide...und das bei uns im Allgäu....ich empfinde das alles als sehr "krank und kaputt" und sehe leider keine , aber auch gar kein Umdenken in Sicht..Emma

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    1. Nein, die meisten Bauern sind voller Verachtung und sogar Hass gegen die "spinnerten" Grünen.

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  3. Ich habe einen Nachbarn, der Bio-Rinder (Mastvieh) haelt und ich habe schon so einige lehrreiche Diskussionen ueber Kraftfutter etc. hinter mir. Es waere schon prima, wenn auf Kraftfutter bei gleicher Anzahl der Kuehe verzichtet wuerde. Das heisst aber auch, dass wie mehr fuer die Milch bezahlen muessen. Klar, Leute wie sie in dieser Leserschaft zu finden sind, werden das hoechstwahrscheinlich tun. Klar ist auch, dass eine nicht zu geringe Anzahl von Leuten am unteren Ende der Einkommensstufen berechtigte Schwierigkeiten haben, das zu tun. Aber es gibt soooo viele in der Mitte! Wie kriegt man die bloss dazu, etwas mehr fuer ein kostbares Lebensmittel auszugeben? Da packt mich oft die Verzweiflung. Demnaechst schnapp' ich mir eine Kuh und ziehe mit ihr durch die Strassen (seufz!).

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    1. Als ich ein Kind war, waren wir sehr arm, aber die Milch konnten wir immer bezahlen. Dafür gab's Fleisch nur alle heiligen Zeiten und Schokolade als Superbelohnung. Wir sind auch groß und stark geworden! Aber es ist ja bekannt dass die (wir?) Deutschen ein Schweinegelt für ihre Küchen ausgeben (alle paar Jahre muss eine neue her) und dafür beim Discounter Preise drücken. Meine (wunderbare voll eingerichtet) Küche ist übrigens 2nd Hand und hat mich 500 Euro gekostet.

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    2. Ich habe zwei Kinder, 8 und 11. Es ist gar nicht so einfach, die eigenen Vorstellungen (Schokolade als Belohnung, es wird kein Essen weggeworfen, was man sich auf den Teller tut, sollte man nach Moeglichkeit aufessen usw. usw.) gegen den Rest der Welt durchzusetzen. Dass Essen kostbar ist und viele nicht genug davon haben und dass das Wohlergehen der Tiere und Pflanzen einen Wert an sich darstellt, sehen sie schon irgendwie ein. Aber gegen die Versuchungen anzukommen, die in Form von Nachbars Suessigkeiten-Schublade, dem Kram, den die anderen Kinder mit zur Schule bringen -und das ist eine Waldorfschule!- den Anspruechen, die die Umwelt als voellig normal ansieht ... all das ist unglaublich schwer. Manchmal habe ich Angst, dass meine Kinder mich als verschrobene, kauzige 'Bio-Mama' ansehen und ich genau das Gegenteil von dem erreiche, was ich eigentlich moechte. Naja, die Zeit wird's zeigen. Gruesse aus Ostbelgien!

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    3. ja, das verstehe ich! Kinder sind heute ganz anderen Versuchungen ausgesetzt als wir damals, da gab's eben keine Wahl. Und wenn das Nachbarkind uns mit Schokolade lockte, waren wir natürlich gern dabei!

      Im Übrigen beobacht ich als Nicht-Mutter, dass Mütter während einer gewissen Altersphase sowieso NICHTS richtig machen, aber wenn das Kind erwachsen ist, hat es die Erziehung liebend verinnerlicht (eigene Erfahrung).

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  4. Replies
    1. Hallo - welcher Landliebhaber steckt denn hinter dieser Website??

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  5. Liebe Ilse,
    einfach schade diese Entwicklung - leider auf vielen Fleckchen der Welt so.
    Dagegen ist Bayern wohl noch eine Insel der Glückseligkeit, aber stinken tuts einem trotzdem.
    HG
    Birgit

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    1. Du hast schon Recht - wir haben es natürlich blendend, so insgesamt!

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  6. Püh, da bleibt mir die Luft weg! (Stand heute irgendwo: Die Gülle muss schon exportiert werden, weil sie nicht mehr wissen, wohin damit – man könnt narrisch werden.)
    Trotzdem schöne Grüße und etwas benzingeschwängerte Stadtluft sendet dir Petra

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  7. Als wir früher (1978 - 1988) die 10 Jahre auf dem Lande gewohnt haben, da war das mit der Gülle nicht so häufig und da wir hier ja evangelisch sind, gibt es das Kirchengeläute am Sonntag um 10 Uhr oder bei Hochzeiten.

    Dafür flogen über unser Dorf im Sommer oft die K*ampfjets der Bundesw*ehr. Wenn die durch die Schallmauer krachten, wackelte das Geschirr in den Schränken und das Herz machte einen Hops.
    Wie auch immer. Auch die Gülle-Ausfahrer und die Gänseblümchen-Absäbler haben ihre Zeit. :O)
    Beste Grüße aus dem Norden
    Oona

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  8. siehe Fleischatlas 2016. :-(
    in Bayern ist aber das beste Wetter :-)
    Gruß tara

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  9. Im westlichen Weinviertel stinkt es nicht, dafür wird der Wein reichlich gespritzt mit allerlei Zeug, auch nicht so toll. Aber der Biobetrieb kostet mehr als die Konsument-innen zahlen (ist ja nicht das Burgenland). Dafür läuten die Kirchenglocken täglich um sechs Uhr früh, guten Morgen. Die Alternative zum Verkehrslärm in Wien, allerdings nur drei Minuten lang. Also doch besser :-) Ich wünsch dir einen duftenden Sonnentag, liebe Grüße, Bettina

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  10. mein sohn wohnt im dorf... die kirchenuhr , alle 1/4 stunde und die ganze nacht!!!
    hier wird auch gejaucht...obwohl es eigentlich verboten ist...biz

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  11. Zum Glück stinkts bei uns - ich wohn' ja auch auf dem tiefsten Land - in den letzten Jahren immer weniger! Ich hoffe, ich verschrei's mit diesem Kommentar nicht.....Aber wenn, dann find' ich's auch ganz eklig. Und so rabiate Bauern haben wir auch nicht. Unsere fahren sehr gemütlich durch die Orte. Leider wird aber auch ringsrum seit Jahren fast nur noch Mais angebaut! Und Kühe gibt's bei uns auch nicht auf der Wiese. Ich finde das ganz schlimm für die Tiere....Und ich würde für die Milch den 3 oder 4-fachen Preis zahlen, weil sie mir das Wert ist!

    Kirchenglocken höre ich ganz angenehm aus 1 1/2 km Entfernung läuten :)

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    1. Liebe Hanne, du bist eben eine Lebenskünstlerin! Liebe Grüße ins jauchefreie Franken!

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  12. Der normale, milde Landgeruch ist ja schön finde ich aber dieser Jauchegestank, den frau dann in Haaren und Kleidung hängen hat, den fand ich in Bayern auch immer scheußlich. Ich würde für Milch und andere Produkte den angemessenen Preis zahlen, auch wenn ich niht viel Geld verdiene, denn die ganze Mentalität hinter dem "je niedriger die Preise desto besser egal um welchen Preis" ist auf lange Sicht selbstzerstörerisch denke ich.

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