Sunday, 20 November 2016

Es geht wieder mal um die (richtige) Wurst

Das Thema Essen ist ja sozusagen in aller Munde. Haha. Und sogar die Säulen des Besser-Essens merken inzwischen, dass sich auch hier die berühmte Schere auftut zwischen "uns" (sage ich jetzt mal) und den Leuten, die andere Sorgen haben als die Herkunft ihrer Hühnereier. Das sind wohl die berüchtigten Populistenwähler, die jetzt den Intellektuellen und achtsamen Essern aller Länder so viel Bauchweh machen, nach dem Motto "ach, das haben wir nicht gewusst, dass es so vielen Leuten schlecht geht".

In dem untenstehenden Artikel wird St.(John)Fergus Henderson, der Vater des bewussten, "head to tail" Fleischkonsums zitiert, der eindringlich vor der Gefahr einer "Zwei-Stufen-Ernährungssituation" warnt, einer Trennung zwischen der Welt des "guten Fleisches von artgerecht behandelten Tieren" und Supermärkten, die "anonymes, plastikverpacktes rosa Fleisch" verkauften.Und Martin Parr illustriert, wie Essen ausserhalb der foodblogs aussieht.
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Twenty years ago Parr’s British Food series highlighted the difference between glossy, aspirational food porn and what was on most people’s plates. That meant harshly lit photographs of sliced white bread, salads of lettuce, cucumber and tomatoes, with a dollop of Branston pickle on the side, as well as tough-looking cakes from an era long before Bake Off.

We are all food lovers now, of course, years of bestselling cookbooks, celebrity chefs and affordable foreign travel mean we’re clued up about sourdough, know the difference between za’atar and ras el hanout, and can rustle up a show-stopping bake or two. At least that’s what we tell the world on our Instagram feeds.
A perfect time, then for Phaidon to publish an anthology of Parr’s food images, drawn from his archive. (The pigeon eyeing up a dinner of discarded fried chicken is a particular favourite.) There’s also a terrific introduction from St John’s Fergus Henderson, who warns of the dangers of a “two-tier food situation”, of a split between the world of “good meat from animals treated well when alive” and supermarkets selling “anonymous pink meat in plastic”.  (Aus dem Guardian)
Hier gibt es das Buch: Martin Parr’s Real Food

Und um gleich einen riesigen Bogen um das Thema Fleisch zu machen, gibt's halt bei mir öfter mal keines. 
Zum Beispiel war ich neulich  in München im Eataly, dort finde ich feines italienisches Gemüse, in diesem Fall Cime di Rapa, ein brokkoliartiges Wintergemüse. Mit 84cent hatte ich genug für eine reichliche Begleitung für mein Gemüseomelette (das heißt im Klartext: man kann im Eataly auch günstig einkaufen, wenn man weiß was man sucht. Und es gibt sogar Bottarga - darüber ein anderes mal).
Unter das Omelette hatte ich - nach Art von Tarte Tatin - Stücke von Lachsforelle drapiert.
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Wie man ein Omelette macht, fand ich - zum Schreien komisch - bei der berühmten Köchin Julia Child, einer frühen Meisterin der französischen Küche. 
In order to avoid meat dilemmas, I often cook without it. When I am in Munich, I often check out the Eataly market, where I get interesting Italian vegetables. This cime di rapa is a bit like purple sprouting broccoli, which I think you get in English supermarkets. I served them with an omelette which I adorned, tarte tatin style, with smoked trout. Learn how to make an omelette from hiliarious master chef Julia Child, one of the early doyennes of French cooking.

15 comments:

  1. liebe Ilse-bloggerin,
    das Thema "gutes/richtiges" Essen ist wirklich schon ziemlich abgekaut = jede/jeder möchte - kann aber nicht + alles ist relativ. Fakt bleibt aber: es gibt 900 Tafeln in Deutschland, jedes 4. BRD-Kind unter 18 lebt von 250 Euro Hartz4. Der Babyboomjahrgang (1955-1965) geht bald in Rente - means für vieeeeele Grundeinkommen/Mindestrente von ca. 404 Euro im Monat für Essen, Strom, Telefon, Kleidung, Kultur ...bla. Miete+Heizung zahlt das Amt - that´s real life/food of under-class.
    gruß tara ;-) ... Humor ist for free

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  2. Die "Schere", überall!
    Aber gutes Essen muss ja nicht fleischlastig sein.
    Hauptsache viel Butter, wie Julia Child sagen würde (gestern wieder der schöne Film über sie!).
    Ernsthaft: Inzwischen esse ich ziemlich gerne Kartoffel-Spinat-Spiegelei, Cima di Rape möchte ich auch gerne mal ausprobieren (hatte ihn im Restaurant schon mal auf einer Pizza in Kombi mit Salcicce), und Grünkohlzeit beginnt ebenfalls.
    Liebe Grüße Petra

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    1. Echt - Spinat mit Ei und Kartoffeln war mein Kindheitslieblingsessen!

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  3. Als ich die Filme mit Julia Child auf YouT vor einiger Zeit entdeckte, da bemerkte ich, warum die Merlyn Streep sie so gespielt hat, wie sie Julia hat im Kinofilmgespielt hat. Diese ausladenen Gesten und das stockende Reden.
    Ich verstehe nicht alles, was die echte Julia am Herd erzählt, aber ich finde sie lustig.
    *
    Wie schon überall geschrieben ist das Kochen und das Essen und die Lebensmittelfrage die neue "Religion" vieler Menschen geworden. Mehr wohl von denen, die sich das "gute" Essen leisten können/wollen und ausreichend Zeit haben sich damit zu beschäftigen.
    Wie alle Phasen, wird auch das sich irgendwann wieder legen.
    Schöne, lustige und informative Food-Blogs aus Bayern natürlich ausgenommen. *lach*

    Letztens sah ich beim Sende br in der Reihe "Lebenlinien" die Uschi Glas. Sie hat 2008 im Autoradio einen Bericht gehört, dass in Bayern Grundschulkinder vor Hunger vom Stuhl fallen. Das hat sie so beschäftigt, dass sie die Organisation/Initiative "brot-zeit" gegründet hat und sorgt dafür - mit ganz vielen HelferInnen und Sponsoren- dass Tausende von Grundschulkindern vor der Schule ein gutes Frühstück bekommen. Und die Kinder bekommen Zeit von den HelferInnen geschenkt (ganz viele RentnerInnen) und die Kinder bekommen Aufmerksamkeit und Hilfe für die Schule.
    Mich hat das beeindruckt.
    Statt über das Kochen, Essen und den/die TV-Köche/Köchinnen zureden und den Wert oder die Richtigkeit von Lebensmitteln zu diskutieren, dann handfest etwas gegen den Hunger tun.

    Natürlich kann das "alles" nebeneinander bestehen und sein.
    :-)

    Beste Grüße
    Oona

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  4. Liebe Oona, es ist wahr, je mehr man sich mit der "wirklichen" Ernährung beschäftigt, desto weniger Appetit habe ich auf wunderschön fotografierte cupcakes etc. Und was Uschi Glas macht, bewundere ich auch. Das wäre doch eine gute Anlage für Bob Dylans unerwünschtes Nobelpreisgeld??

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    1. Genau Ilse. Statt irgendwelchen Leuten das Geld hinterher zu werfen, die es weder haben wollen noch brauchen, es lieber dort hingeben, wo etwas Gutes damit gemacht werden kann.

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  5. Hab eine Doku über die Avocadoproduktion für den westlichen Markt gesehen.... da bin ich nur noch dankbar, dass ich gute ehrliche Gerichte und deren echten Geschmack in meiner Kindheit als Norm kennengelernt habe. Welches Kind hat das noch?! Wissen von Generationen geht ruckzuck verloren. Wie eine Möhre aus dem Garten schmeckt und Kartoffeln. Ich finde kreatives kochen toll, aber wenn man drei Stunden mit Zutaten rumsch...t, die man auch in einer Viertelstunde zu einem richtig schmackhaften Gericht zusammenstellen kann, dann weiß ich, was ich nicht brauche, auch wenn die ganze Gourmetwelt davon schwärmt. Eier, Butter, Mehl ergibt Kuchen. Ich brauch das nicht mit Avocado undichweißwasnichtnochallesstattdiesen Zutaten um dann für den nächsten Trend fette Zuwächse aufkosten der Natur und Ressourcen anderer Länder zu ermöglichen. Es ist vieles so aufgeblasen, dass man manchmal gar nichts mehr damit zu tun haben müsste. Ich könnte wochenlang von Kartoffeln mit Butter leben, aber bei dem ganzen künstlichen Zeug, Seitan etc, würd ich eher hungern wollen oder Schnittlauch aus dem Garten essen. Sorry, hab jetzt ein bisschen abgeladen ;-)))))))))
    Nichtsdestotrotz freue ich mich immer über Anregungen mit guten und auch unbekannteren Zutaten und da gehören die wunderbaren Gemüse aus Italien dazu!! Ist ja ein Nachbarland mit einer fantastischen Küche. Ich liebe es dort auf Märkten rumzugehen und all die Herrlichkeiten anzuschauen, allein die vielen verschiedenen Zitrussorten, ein Traum!
    Liebe Grüße
    ELisabeth

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    1. Liebe Elisabeth, ich musste richtig lachen als ich deine Philippika gegen das falsche Essen gelesen habe. Endlich redet da jemand mal richtig Klartext. Ich freue mich, weil ich auch einen wachsenden Widerwillen gegen all den überkanditelten, elitären Gourmetmist habe. Ich bin immer total begeistert von neuen Entdeckungen, aber letzten Endes ist es die wirklich Kunst, einfaches Essen wirklich fantastisch zu machen. Avocados mag ich übrigens sehr gerne, verzichte aber gerne darauf, wenn deswegen ganze Länder gerodet werden müssen!

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  6. Ich mochte schon deinen Beitrag über heimisches Essen sehr. Auch heute nicke ich dir mal zu. Es gibt ja kaum noch Leute, die das Essen (und alle anderen gesellschaftlichen Themen) auch mal aus der Mitte betrachten - weder "is mir doch völlig egal" noch vegane Diktatur oder Quinoa-Anbeter. Normal ist irgendwie überall aus der Mode.
    Lieben Gruß

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  7. betteln, Almosen verteilen, Ehrenämter hochhubeln ...daran ergötzte sich die/der Neo-Liberale schon immer - nicht nur vom schlechten Essen und Brekshit wird einer schlecht
    gruß
    tara

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    1. Äh - das verstehe ich jetzt nicht. Ohne Ehrenamtliche würde das Leben von Geflüchteten noch mieser aussehen als es das schon tut!

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  8. aus der arbeitsmarktpolitischen Perspektive: Ehrenamt, 1-Euro-jobs, Praktikum, Werkverträge, Eingliederungsmaßnahmen ...sind alles zusammengeschnürte auswechselbare Arbeitspakete made per Gesetz für qualitativ gut geleistete Arbeit für umsonst. Ehrenamt bitte nur der Ehre halber - ansonsten immer angemessenes Gehalt fordern. Humanitäre Leistungen - s.o. - sind eine andere Baustelle.
    gruß tara

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  9. Ein sehr treffender Beitrag. Letztens fragte mich eine Freundin, warum ich Paprika so komisch aufschneide (ich steche hinein, schneide sie längs auf und breche sie oben direkt am grünen Rand entlang raus).

    Ich musste selber schmunzeln, der Tick kommt noch aus Studienzeiten, als Paprika ein teures Gemüse war und ich bloß nichts verschwenden wollte.

    Das Discounter-Bashing der Essens-Elite ist sehr wohlfeil, wir sind alle so trendy und schlürfen grüne Smoothies aus überteuerten Superfoods. Schön und gut, aber ein wachsender Teil der Bevölkerung ist froh, wenn er am Monatsende noch satt wird.

    Vielleicht ist Essen mittlerweile nicht so sehr die neue Religion geworden, wie überall erzählt wird, sondern ein Status-Symbol. Mein Haus, mein Auto, mein healthy Smoothie. Man könnte drüber lachen, wenn´s nicht so ernst wäre und arme Menschen statistisch zehn Jahre weniger leben, was eben auch am Essen liegt.

    Zum Schluss hängt doch wieder alles am Geld und es ist bewunderswert, was engagierte Leute, wie die Tafeln, Uschi Glas und viele andere auf die Beine stellen.


    Liebe Grüße, Sandra

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  10. Tara - das wäre ja soziale Gerechtigkeit. Die wird es nicht geben, egal aus welchen Parteien sich die Regierung zusammensetzt:-).

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