Leserinnentrauma und Trapanese

Eigentlich ist der Sommer für mich hauptsächlich eine endlose Gelegenheit zum Schwimmen.
Aber wenn es zu heiß wird, bietet sich auch an, den ganzen Nachmittag auf dem Sofa - oder dem Bett - zu liegen und endlich mal richtig viel zu lesen.
 Diesen Sommer sind meine Bücher, ohne es so zu planen, wirklich schwere Kost.
Francesca Melandri, "Alle außer mir",  nimmt einen mit in die schmutzige Kolonialgeschichte von Italien, die übergangslos in den Horror der Geflüchteten aus Afrika mündet.
In "Heimsuchung", erzählt Jenny Erpenbeck die Geschichte Deutschlands mit dem Mittel eines Hauses, das heißt, eigentlich erzählt sie nicht, sondern schleicht sich von hinten an und zieht dir ganz lakonisch eins über den Kopf. Sie beschwört die Scheußlichkeit des Krieges mit knappen, brutalen Worten herauf.   Diese Besprechung half mir, die Personen besser zu verstehen, wer,wo, wann, warum...
Und mein schon erwähnter 600-Seiten-Roman, "The Time of our Singing" von Richard Powers, hält mich weiterhin gefangen in der Erzählung des erlebten amerikanischen Rassismus. Powers ist ein genialer Beschreiber der einen in viele verschiedene Welten hineinversetzt, Musik und Genetik, Gehirnforschung und Ökologie. Am leidenschaftlichsten und schönsten aber beschwört er immer wieder die Musik herauf 
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Summer is an endless opportunity for swimming. But when it gets too hot, the sweltering afternoons are for reading and binge watching Netflix.
Somehow I have been blessed with a particularly hard work choice of books this summer. 
The book "Visitation" by Jenny Erpenbeck I found through the Guardian reading tips on Germany! Of course I read it in German, I wonder if it is less mysterious in English. It weaves into the plot some of the atrocities that happened in Germany in the last century, told very laconically through the changing fortunes of a house in the former East Germany. I found it difficult and demanding, sometimes shocking.
The Italian book by Francesca Melandri, Sangue Giusto, hasn't appeared in English yet. Suffice to say, it's also a heavy story about Italian colonial guilt and the treatment of refugees in Libya and Italy. Prepare to be horrified.
About "The Time of our Singing" von Richard Powers I have written before, it brings close the historic and endemic racism in the USA, as well as the problem of cultural confusion - can a black person sing classical music or does it mean they lost their way?

Nach so vielem Eintauchen in die Gemeinheiten der Welt muss mich dann vor dem Einschlafen mit ein paar harmlosen Geschichten von Mord und Totschlag in Sizilien runterbringen. 
Mein Montalbano: er liebt das gute Essen. In diesem Buch kauft er sich heimlich im Supermarkt ein Pesto alla Trapanese, weil seine Haushälterin Adelina sich weigert, das für ihn zu machen.
Man kann es aber auch sehr gut selber machen
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 After all these outings into difficult worlds, I have to escape to a few harmless tales of murder in Sicily before going to sleep. My friend commissario Montalbano is a gourmet, and in this story he cheats on his housekeeper, Adelina, who refuses to make him pesto alla trapanese. So he buys a jar in the supermarket. But it's easy to make it yourself:
Pesto alla Trapanese
500g Kirschtomaten kurz aufkochen, die Schalen rausfieseln (oder Kirschtomaten aus der Dose nehmen)
50g geriebene Mandeln, (manchmal stattdessen Pinienkerne)
50g geriebenen Pecorino
eine Handvoll Basilikum
2-3 Knoblauchzehen
ein paar Löffel gutes Olivenöl
Pfeffer nach Belieben
Alles kurz im Mixer oder mit Zauberstab grob mischen.
Serviert wird es in Sizilien mit Busiate oder Casarecce/ Strozzapreti, aber Spaghetti gehen immer.
Die Mandeln sind das Entscheidende, was die Trapanese von einer Tomatensoße unterscheidet.
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Blanch and peel 500g cherry tomatoes, or use tinned ones
50g ground almonds - or pine nuts
50g grated pecorino
a handful of basil
a couple of garlic cloves
2-3 tbsp good olive oil
pepper to taste
Roughly blend all this together, with a hand mixer or your Kitchen Aid (ooh la la)
Serve with busiate or casarecce, or any pasta you have in your cupboard.
The almonds make all the difference!
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Auf diesem beliebten italienischen Blog wird eine Version des Rezepts ohne Käse beschrieben.
Auf in den Steinsee, bei jedem Wetter (nur nicht wenn es blitzt)
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Off for a swim to my favourite lake, in every kind of weather (except during thunderstorms)
Ach - zum Schluss noch der Tipp zur Marmelade ohne Reue: man kriegt ja bei uns kaum richtg perfektes Obst zu kaufen. Meine Nektarinen und Pfirsiche aus dem Supermarkt sind steinhart, ich lasse sie ein bisschen reifen und, über Nacht ist  das Obst am Verfaulen... Also schnell die guten Stücke retten und mit Zitronensaft und Gelierzucker 2:1 fünf Minuten aufkochen, mit dem Zauberstab zerkleinern, ohne Mus draus zu machen. In heiß ausgespülte Gläser einfüllen, auf den Kopf stellen bis abgekühlt. Hält bis zum Winter!
Aber das wisst ihr ja sowieso, oder?
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Last not least: make jam with slightly dodgy fruit. Cut out the bad bits, add sugar (in Germany you get special preserving sugar you use to the ratio 2 fruit, one sugar) and lemon juice, boil it for five minutes - or more - chop it with the hand blender and fill in jars you have washed with hot water.
Stand them on their heads until cooled down.
Mine keep for months.
You probably know this, anyway.

Comments

  1. gar nicht viel leute am steinsee! sehr idyllisch! und die nudeln machen richtig gusto!
    schönes sommergenießen weiterhin!

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    1. Heute war ich sogar ganz allein, so ein Luxus!

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  2. Schwimmen und das Rezept gefallen mir.

    Was Bücher angeht, habe ich dieses Jahr leichtere Kost, aber ich erinnere mich auch mal an einen Sommer, in dem ich - wirklich auch durch Zufall - eine Reihe Bücher ausgesucht hatte, die mich echt forderten. Alpträume inklusive. Manche Themen sind einfach schwer zu verkraften.

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    1. Je älter ich werde, desto weniger würde ich am liebsten wissen.

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  3. Das Pesto alla Trapanese kannte ich noch nicht, dafür war ich 1981 in Trapani, unvergessen, Frauen wurden da noch eher mittelalterlich behandelt, und wir zwei Mädels aus einer heutigen Corona-Distanz von 1 1/2 Metern ungeniert begafft. Starr... Da doch lieber das Pesto. Du in den Steinsee-Fluten sehr malerisch!

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    1. Das hat sich ganz sicher geändert! Ja, Probier das Pesto alla Montalbano und Berichte!

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  4. Ja, die erst harten und dann faulenden Pflaumen sind zum Heulen. Ich kaufe jetzt jeden Tag zwei, drei Stück und hoffe die richtige Mischung hinzubekommen. Liebste Grüße

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  5. Ja, ja – realistische Romane (oder gar die Realität???) lassen sich nur durch die geordnete Krimi-Welt, in der sich ja immer alles auflöst, aushalten.
    Oder halt durchs Kochen bzw. Backen. Oder Krimis in denen AUCH gekocht wird (ich halte mich immer mal wieder im Périgord auf). Oder Gärtnern. Und vor allem: Atmen!
    ;-D

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    1. Der Bruno - und der Basset - muss ja geradezu unwiderstehlich sein...

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