Monday, 5 October 2009

Der Mond

Um sechs war ich wach heute morgen, wahrscheinlich mondsüchtig.
So fühlt es sich also an, wenn man im Dunkeln aufstehen muss, um zur Arbeit zu gehen, nur damit man sich ein Auto kaufen und hin und wieder nach Spanien in Urlaub fahren kann (jaja, ich will natürlich auch! Am besten jetzt gleich!). Was motiviert uns eigentlich? Vielleicht die Dankbarkeit, dass wir es nicht waren, die unter den Trümmern der zerbrechlichen Häuser von Padang, Samoa oder New Orleans hervorkriechen mussten, die überlebt haben um mit nichts wieder anfangen zu müssen. Dass wir wieder mal verschont geblieben sind. Ich arbeitsscheue Vulgärpazifistin und hedonistischer Feigling würde gerne sowas wie Guido Westerwelle verstehen, einen der so genau weiß, wie alles laufen muss. Ich sah ein Fernsehinterview mit einem Mann, der seit Januar auf Kurzarbeit war (und nur 10% weniger verdiente!) und jetzt überglücklich ist, dass er wieder voll arbeiten darf. Das meine ich nicht hochmütig - ich verstehe es einfach nicht, dass Menschen lieber arbeiten als nicht zu arbeiten. (Und wenn ich zugebe, dass ich auch Kinder kriegen für eine Aufgabe halte, für die man hoch qualifiziert sein sollte, werde ich wahrscheinlich sowieso gesteinigt). Wie sinnlos, beim schönsten Herbst aller Zeiten den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen, nur damit man sich einen neuen Computer leisten kann wenn der alte kaputt ist? Es würgt mich schon, wenn ich das Wort "Wirtschaft..." höre.
Außer natürlich im Sinn der Gastronomie! Woke up at six this morning, probably moonstruck.
So this is how it feels to get up in the dark to go to work, so that you can buy a car and have a holiday in Spain (don't get me wrong - I would love to go to Spain right now). Where do you find the motivation? Maybe gratitude for the lucky accident of birth, that once again it wasn't us who had to crawl out from under the wreckage of paper-thin houses in Padang, or Samoa, or New Orleans, to face - nothing. I am a coward, a shirker, I really don't want to feel responsible for this world. I don't understand about piling up shitloads of money, about wanting to work when there is a chance of not working. And if I admit that I think having children is something people should think long and hard about, I might get stoned. But spending all day sitting at the computer while outside the most gorgeous autumn is raging, just so I can buy a new computer when this one is bust? The word economy is so omni-present it makes me almost retch when I hear it now. should be used more economically..

23 comments:

  1. ich glaube, arbeit hat auch viel mit sinn zu tun. wir definieren uns stark über arbeit. was wir sind. ist doch fast die erste frage, wenn du jemanden kennenlernst.
    lebenslang in der hängematte schaukeln und das geld für den computer und fürs auto wird vorbeigebracht - wir würdens kaum aushalten.
    arbeit ist im besten sinne schöpferisch?

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  2. Schau Ingrid, das ist genau wo ich mich so unverstanden/unverstehend fühle - ich würde es blendend aushalten. Natürlich mit kreativen Intermezzi - kochen, Fotos machen, babysitten, gerne auch Klo putzen, Garten gießen...ich glaube ich rede ganz altmodisch von der entfremdeten Arbeit.

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  3. Es gibt Menschen, die müssen arbeiten, weil sie die "normale" Wohnung bezahlen und das Schwarzbrot am zum Abendessen.
    Es gibt Menschen, die in Kurzarbeit sind und tatsächlich erstaunlich viel Geld verdienen. Nach ein paar Wochen oder Monaten aber ist es gut wieder zu arbeiten und Mann und Frau das Gefühl hat alles ist im Lot. Selbsttäuschung macht ruhig. Manchmal.
    ... bis man endgültig wegrationalisiert ist.

    Es nervt mich jeden schönen Herbsttag, wenn ich im Büro sitze statt über Felder und Wälder zu schreiten... mit nichts außer dem unfassbarem Erstauen wie wunderschön die Welt ist.

    Genieße diesen wunderbaren Herbsttag für mich mit Ilse.
    Für mich in euren geliebten See brauchste nicht gehen :O)
    Grüße aus dem goldenen Bremen

    Jutta

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  4. und ich mag für das was ich tu geld kriegen, dann ist es etwas wert. bin ich etwas wert.

    nur klo putzen und kreativ garten gießen kann mich nicht ausfüllen.
    schwierig? nicht wahr?
    am besten rausgehen und sinnlos die sonne in den herbsttagen geniessen.

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  5. Meine blödeste und provokanteste Aussage zu diesem Thema war wohl mal der Satz "ich wäre so gern eine reiche Arztfrau, mir wäre nie langweilig".
    Es ist aber nicht so, denn ich hänge an der Arbeitsleine und laufe auch brav im Hamsterrad. Da in unserem Haushalt auch nur noch eine arbeitet (mein Mann ist aus gesundheitlichen Gründen schon so lange langzeitarbeitslos, als es noch eine persönliche Schande war)ist das auch notwendig. Manchmal träume ich von freien Tagen, doch andererseits mag ich auch meine Arbeit und die Kollegen. Ich habe schon viele Mistjobs ausprobieren dürfen, bevor ich diese Ausbildung machen konnte und ich weiß, was ich hab. Und ich fürchte ich brauche diese Leine und diese geschäftige Außenwelt, um nicht zu verloddern. Dabei häufen sich nicht mal Ersparnisse an (man neigt dazu, das auszugeben, was man hat)und sollte dieser Job mal verschwinden, so wird es ganz schnell eng. Wenn es so kommen sollte, wünsche ich mir, dass ich dann lerne nicht mehr so abhängig zu sein von dieser Form der "Anerkennung" (sehr persönlich ist sie nicht, man ahnt täglich die Austauschbarkeit) und meinen Lebensgenuss auch in kleiner, eigener Form zelebrieren zu können.

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  6. Oona - wollte sagen: das muss ich auch, die Mieten in München sind unmenschlich hoch.
    Ingrid: mit Geld kann ich meinen Wert nicht schätzen, aber ich weiß natürlich dass ich es brauche um Spaß zu haben. Ich geh ja nicht essen und wasch dann ab ;-)
    Petra - früher hab ich auch gedacht ich möchte einen Millionär - aber der würde sicher eine andere Art von Arbeit von mir erwarten: plastische Chirurgie, Diät, ständig in Kleiderboutiquen rumhängen...Und Ersparnisse: wie schaffen es die fleißigen Leute, z.b. Gastarbeiter, noch Geld zu sparen für die Familien zuhause?

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  7. Es gibt nahe Verwandschaft, die seit 15 Jahren bei längeren Besuchen den Satz sagen muss, "ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass man keine Arbeit findet, wenn man will". Leider war ich diesmal wieder still (keine Lust auf diese Diskusssion), aber die Zahl meiner Besuche wird gegen 0 gehen und vielleicht schaffe ich da wenigstens noch den Satz "Meine Liebe, du kannst dir so vieles nicht vorstellen".

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  8. Mal von der Arbeitsdiskussion abgesehen: Was für ein wunderbares Mondbild, ein Foto? Es wirkt wie ein Gemälde ...

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  9. Es kann auch einfach zum Hamsterrad werden, wenn man in seinem Job gut ist: Die Anerkennung, der Erfolg, das Lob, noch mehr Verantwortung, noch mehr bewegen dürfen, jeden Tag die Auswirkungen seiner Arbeit zu sehen - das kann einen irgendwann vergessen lassen, sich selbst zu fragen, ob man eigentlich das tut, was man wirklich will.

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  10. Liebe Ilse!
    Die Medien setzen den Menschen in die Köpfe was sie wollen und was nicht, worüber sie glücklich zu sein haben, und wovor sie Angst haben müssen, denn "Die" haben sie ja genug, vor allen möglichen Sachen, und "das" wurde schon ewig gewußt, das angsterfüllte Menschen besser zu kontrollieren und zu manipulieren sind.

    Ja, ich muss auch immer eher lächeln, was auch durchaus nicht böse gemeint ist, wenn ich höre, dass Menschen bereit sind sich bei einer Leiharbeiterfirma, die noch 250% Gewinn einfährt, ausbeuten zu lassen. Was wäre, wenn.... "alle" NEIN sagen würden......
    ...und versucht man ihnen klar zu machen, was da läuft, schauen sie einen verständnislos an,.....ach, du, du bist ja schon so lange aus dem Arbeitsprozeß raus, hast doch keine Ahnung....
    Klar, ich hab´"Abstand", nicht wie die Andere, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, weil sie mitten drin stehen.

    Ich steinige Dich nicht, denn,....man sieht ja, was dabei herauskommt.
    Die Eltern leben vor, was die Kinder dann später nachleben. Da haben wir auch einen ganz speziellen Fall in unserer Bekanntschaft.
    Liebe Grüße
    Rosi

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  11. Also ich muss oft viel zu früh aufstehen, um arbeiten zu gehen und kann mir trotzdem keinen Spanienurlaub leisten. Was mach ich nur falsch?

    Würde liebend gerne weniger arbeiten und noch mehr nach dem Lustprinzip leben - genug zu tun finde ich, problemlos, immer. Bin aber auch froh, dass ich nicht noch mehr arbeiten muss.

    Constanze

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  12. Die Behauptung, es gäbe Arbeit für alle ist der blanke Hohn, besonders wenn man bedenkt, dass sehr gut mögliche Automatisierungen z.B. im Bereich der Mülltrennung bewusst zurückgehalten werden um diesen wortwörtlichen "Zustand" aufrechtzuerhalten. Humanismus sieht anders aus.

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  13. Mein Verhältnis zur Berufstätigkeit ist ein ambivalentes: als ich noch im - nicht völlig glücklich machenden - Job war und das erste Kind erwartete, schien es mir ein Glück zu sein, aus der Tretmühle heraus zu dürfen.

    Seit ich drei Kinder habe, denke ich manchmal "Schön wär's..." aber das "am Morgen hinaus müssen" behagt mir wiederum gar nicht als Vorstellung...

    ...und wenn ich mir Auszeit nehme von Haushalt, Kindern UND Mann, sagt meine Mutter am Telefon: "Wieso fährst du denn in den Urlaub, du arbeitest doch gar nicht?".

    Wie gesagt, mein Verhältnis ist ambivalent... DARF mein Mann nun jeden Morgen zur Arbeit fahren oder MUSS er? ;))))

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  14. Ja aber hallo! Ich muss öfter mal auf die Arbeit schimpfen, um zu sehen wer sich alles meinen Blog ansieht! Vielen Dank für die interessante und differenzierte Rückmeldung. Nichts ist trostloser, als ins Leere zu meckern.

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  15. und, Kvinna: Mutter und Hausfrau ist ja wohl der undankbarste weil un-bewertetste Job von allen! Und da kann ich mir durchaus vorstellen, dass der Gang ins Büro zum eigenem Computer, gemütlichen Kaffeepausen und - vielleicht - sogar interessanter Arbeit eine Erholung ist.
    Ich arbeite selbständig und das ist ein einziger Hochseilakt.

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  16. Undankbar? Naja, insofern, als der Wert von Arbeit noch immer hauptsächlich in Geld gemessen wird. Schreitet die Automation fort, wird sich das vielleicht ändern.

    Na ja, und sich ZU HAUSE mit LECKEREM Kaffee an den Rechner zu setzten, sobald die Brut für ein paar Stunden aus dem Haus ist, hat auch 'was.

    So, und jetzt gehe ich an meine häusliche Arbeit (freie Zeiteinteilung, hurra!) ;)

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  17. Hahaha.... da mußte ich auch grad denken, als ich die Kommentare las: Schreibt man was "zum sich aufregen oder Bewegendes", da sieht man wer alles so unwahrnehmbar liest. Sollte ich auf meiner Seite auch mal probieren -LOL

    Ich denke alles hat seine Vor- und Nachteile und jede/jeder beurteilt diese aus ihrer/seiner Lebenssituation heraus.

    Manchmal hätte ich gern einen/eine Wohnungs- und UrlaubsfinanzierIn als BegleiterIn. Manchmal hätte ich gern ein Kind. Manchmal würde ich lieber eine Arbeit machen, die kreativer ist oder mehr meinen "wahren" Fähigkeiten entspricht. Oft bin ich sehr froh meine Brötchen allein und ausschließlich nur für mich zu verdienen, kein Auto zu fahren und das ich kein Kind habe.
    Manchmal vertrödel ich den Tag und ich finde es gut um 4.45 Uhr aufzustehen, eine Stunde REIKI zu machen und danach mit einer Kerze in der warmen Küche frühstücken...

    Manchmal frage ich mich, warrum die hier bei BLOG so unleserliche Sicherheitswörter haben... 3. Versuch!

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  18. Es ist nicht so, dass man es sich es immer aussuchen kann, wie viel man arbeitet. Ich glaube auch nicht, dass die Mehrzahl der Menschen früh aufsteht um sich den Urlaub oder ein neues Auto leisten zu können. So weltfremd können Sie doch nicht sein, oder doch?

    Sie leben in einer Stadt mit hohen Lebenshaltungskosten und arbeiten wenig? Wie können sie sich dann ihre Reisen, Ausflüge und die Wohnung leisten?

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  19. Hallo Anonymous - wer sagt denn dass ich wenig arbeite? Ich arbeite manchmal garnicht und manchmal dass mir die Ohren rauchen - ich arbeite wie gesagt selbständig (self-unemployed, wie ein witziger englischer Freund es nennt). Es geht mir nicht darum, wer warum arbeitet - es ging mir hier um das Prinzip Arbeit.

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  20. Dann habe ich Sie falsch verstanden.

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  21. um zur Arbeit zu gehen, nur damit man sich ein Auto kaufen und hin und wieder nach Spanien in Urlaub fahren kann

    Das Wörtchen "nur" hat mich darauf gebracht.

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  22. ich unterhalte mich übrigens ungern mit gesichtslosen "Anonymous" - mit wem diskutiere ich hier?

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  23. Ilse - irgendwer muß die entfremdete Arbeit tun, in den vielen Ländern Asiens z.B. Computerzubehör zusammenfrickeln damit Du bloggen kannst.Nicht jeder kann einen Identifikationsjob haben.
    Generell habe ich jedoch eine andere Einstellung zur Arbeit, ich mache das was ich mache auch bei schönem Wetter gerne und leide nicht.
    Schließlich zahlt mein Arbeitgeber auch nicht mit Falschgeld.

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