Monday, 5 May 2014

Aus dem Handgelenk geschüttelt

  Manchmal geht mir das Kochen so leicht von der Hand, ein Spaß mitten in einer Achterbahn von Sorgen um meine Mutter. Es geht ihr nicht gut, sie ist sehr schwach. Dann will ich sie abends ins Bett bringen und sie sitzt am Tisch und spielt mit der Nachbarin Karten. Das ist jetzt das einzige, was ihr noch einen Funken Lebenslust entlockt. Gleichzeitig kämpfe ich darum, in meinem eigenen Leben drin zu bleiben. 
(Das rosa Getränk in der Flasche rechts ist übrigens der Saft vom Kochen des Rhabarbers, mit dem ich ein Rhubarb Mess gemacht habeund den ich als Schorle weiterverwerte - aber das wird eine andere Geschichte) .
Neulich hatte ich Besuch, was in meiner Dorfeinsamkeit eher selten vorkommt, meistens treffe ich die Leute in der Stadt. Ich hatte etwa zwei Stunden Zeit, mir etwas tolles auszudenken, was ich ihnen auf den Tisch stellen würde. Zwar hieß es "wir haben gerade gefrühstückt...du musst nix kochen"  - aber bei den beiden habe ich schon so manches tolle Essen erlebt, sodass ich es mir doch nicht verkneifen konnte, sie ein bisschen zu beeindrucken. 
Und Hunger hat man doch immer. 
Am Morgen hatte ich zufällig bei Grain de Sel eine wunderschöne Tarte Tatin mit Lauch gesehen und beschlossen, die musste es sein. Ich hatte nämlich alles da - ein Stück meines Jahrhundertblätterteigs im Gefrierfach, Lauch, Ziegenkäse. Und die perfekte Pfanne, in der ich den Lauch anschmorte, mit Ziegenfrischkäse bedeckte, Teigdeckel drauf und in den Ofen. Anschließend die Pfanne mit einem großen Teller bedecken und schnell umdrehen (mit zwei Topflappen!)
Dazu machte ich einen Salat (das Wort Carpaccio kommt mir nicht über die Lippen) von roten Beten, die ich einfach sehr dünn schnitt, mit Olivenöl, Meersalz und Zitrone marinierte und mit Kresse begrünte.
Occasionally, cooking can be a blissfully perfect activity to distract me from my life, which is a bit of a rollercoaster of grimness and absurdity at the moment: my Mum is getting very weak, some nights I wake up and wonder whether she will be alive in the morning, and then I went round in the evening to make sure she gets to bed all right, and there she is, playing cards with her neighbour. 
So, two good friends came by to visit me, which doesn't happen that often, as I'm a bit off the beaten track and tend to see people in Munich. 
That same morning, I happened to see a recipe on this blog (with much classier pictures), and I knew instantly that this was exactly right for two people who claimed they wouldn't be very hungry but like good food.
I had the leeks, the goat cheese and my own home-made frozen puff pastry.
And I have the perfect pan for tarte tatin. I cut the leeks into one-inch pieces and washed them in a bowl of cold water, then placed them in the pan with olive oil, browned them lightly. Season with curry powder (and baharat - yawn), cover with goat cream cheese and put a sheet of puff pastry closely over the whole lot. Bake until the pastry is brown, take it out with TWO oven gloves and flip over onto a big plate (plate goes on top of pan - flip).
I served them with finely cut beetroot (I refuse to call it carpaccio) marinated in olive oil and lemon, adorned with cress.
So elegante kleine Häppchen, für den praktisch nicht vorhandenen Hunger 
***
Such elegant little morsels for a virtually non-existent appetite 
 Und tatsächlich - Überraschung! wir aßen alles auf, inklusive der oben genannte Nachspeise. Es war ein echter Genuss.
***
Surprise surprise - we finished every last crumb and it was delicious. Including a pudding thought up by Nigel Slater and made to perfection by me. I will write about that another time

8 comments:

  1. Das freut mich zu lesen, Ilse! Die Bast-Teller-Untersetzerle habe ich übrigens auch. Die sind sehr beliebt unter Foodies (ich hab mal in einem Post einige Besitzer zusammengesammelt) :)
    sonnige Grüße

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  2. Liebe Ilse, was Du da so aus dem Handgelenk schüttelst ist echt klasse. Auf den Rharbarber-"Nachtisch" bin ich gespannt.

    **
    Viel Kraft wünsche ich Dir bei Deinem "Kampf" um Dein eigenes Leben. Neben der Für - Sorge, das "sich um alles kümmern" und Deinen eigenen Gefühlen. Das "hin und her" kann sehr zermürbend sein. Bei mir geht das schon gefüht immer so. Meine Mutter ist seit 14 Jahren nur krank und es ist und war oft eng. Und sie ist erst 74 Jahre alt.

    Mein Mitgefühl für Dich.
    Und für Deine Mutter.

    Trotz allem ist es doch gut, dass ihre Familie in den letzten Jahren dichter bei ihr wohnt und das ihr ein gutes Verhältnis miteinander habt.

    Ich sende Dir liebe Grüße
    Oona

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  3. Ach, du hast die Lauchtarte nachgebacken. Die ist so schön anzusehen, man muß sich halt nur an den Teig wagen.
    Ich werde mal den Haushandwerker um die Herstellung selbigen bitten.

    Mütterlein ist schwach, aber das darf sie mit über 90 auch sein.
    Schön, daß sie im Kopf klar ist und gerne noch ein Ründchen Karten kloppt.
    Seid froh, daß sie bereits ein hohes Alter hat! Ein Freund mußte seine Mutter gerade ins Heim bringen, sie ist mit 75 bereits dement und es spielen sich täglich Dramen ab, die u.U. auch noch 20 Jahre dauern können. Die Geschwister gehen buchstäblich am Zahnfleisch und müssen auch noch ihren eigenen beruflichen Alltag meistern.

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  4. Liebe Ilse,
    ich glaub, ich würde dich gerne mal besuchen. Nicht nur wegen deinen Kochkünsten, aber auch.....mir läuft das Wasser im Mund zusammen bei den Fotos von dem Lauch-Dings!
    Ich wünsch dir reichlich Erholungspausen, ob kochenderweise oder anderswie! Es ist grade ganz sicher eine sehr anstrengende Zeit für euch alle.
    Alles Liebe, Ulrike

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  5. Sorgen um Mütterlein... achjee... Es ist ein komisches Gefühl, wenn sich die Welt dreht und man vom umsorgten Kind zum umsorgenden Kind wird. Und wenn man dann sieht, dass die Kräfte der einst starken Frau schwinden und man jetzt selber stark sein sollte, obwohl man mittlerweilen in einem Alter ist, wo auch nicht mehr alles so einfach ist... dann ist es doppelt schwierig. Ich kann Dir nachfühlen.

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  6. Grain de sel, die Bastteile sind so wunderbar rustikal-fotogen, gell.
    Oona und Barbara, es ist unfassbar was "Kinder" mit ihren Eltern alles mitmachen, gerade in einem Alter, wo wir eigentlich langsam unsere Ruhe brauchen.
    Übrigens, der Teig geht kindisch einfach und gelingt immer. Und schau mal bei Eline "the real thing" an, sogar richtiger Blätterteig ist machbar!
    Und - Wilde Henne - ich freue mich über dein Mitgefühl!

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  7. Jeden Tag, täglich, sind Deine Fotos, deine comments Begleiterin meines Lebens. Es ist immer einfach nur wunderbar. Alles. Danke, daß Du immer Bei-uns-bist.

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  8. Ja schön, dein Rotes Rüben Carpaccio, auch wenn du das wort nicht magst, ich schon, aber das Gericht noch mehr...............
    am schwierigsten ist es, wenn die eltern alt werden, die kinder (und/oder enkelkinder) noch unterstützung brauchen und man(frau) selber keine 20 mehr ist......wo eigentlich bleibt mein leben, frag ich mich seit 20 jahren ??? hab leider noch keine antwort gefunden !!!

    eine zur zeit etwas unsichere, sehr verwirrte leserin

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