Tuesday, 27 January 2015

Jetzt aber echt zum letzten Mal: Über das Füttern von sehr alten Müttern

Sie meint es wirklich nicht böse, das weiß ich. Meine Mutter ist einfach eine durch und durch selbstbestimmte Frau, die früher ein unglaublicher Energiebolzen war und es nicht fassen kann, dass sie sich nicht mehr selber versorgen kann. Andererseits weiß sie aber immer noch genau, was sie will, und das sagt sie dann halt. Und ich gewöhne mich langsam daran, dies mit einer buddhistischen Haltung zu akzeptieren. Die einzige Bedingung, die ich ihr gestellt habe ist: Wenn sie noch mal beim Anblick meines liebevoll gekochten Essens das Gesicht in gespieltem Grausen verzieht, dann gibt's ab jetzt Essen auf Rädern!
Am Sonntag machte ich Lammhaxe, im Römertopf, mit massenhaft Soße, weil bekannt ist dass Mütterlein immer "vui Soß" will. Das Fleisch war zum derzupfen zart (hier muss ich anmerken, dass mir die Worte "pulled lamb" nicht über die Lippen kommen. Ich finde pulled pork schon seltsam genug).
Dazu machte ich Spätzle, mit extra viel Eiern. Und gedämpften Rosenkohl.
Okay.
"De Spätzle mog i ned in der Soß, konnst mas auf da Pfanna brotn?"
"Der Rosenkohl passt nur zu Kartoffeln" (sie sagt übrigens nicht Rosenkohl, sondern Brockal - so hieß der in unserer Kindheit).
Zum Glück war ein halber Wirsing (der in Bayern übrigens Wirsching heißt) im Kühlschrank.
Sowie zwei Mettwürste, die ich auf ihren Wunsch gekauft hatte - waren aber die falschen. Sie mag nur die orangene Metzgermettwurst.
Okay!
Auf diese Weise kam ich heute zu einem Eins A Rumfort-Mittagessen: In der Pfanne briet ich mir Kartoffeln mit der verschmähten, kleingehackten Mettwurst, gewürzt mit Fenchelsamen und Majoran.
In der restlichen verschmähten Bratensoße, mit einem Rest Schlagrahm von gestern verfeinert, erwärmte ich den gekochten Wirsing. Nachher gab's Blutorangensaft.
Dieses Mittagessen könnte eine Kartoffel-Wirsing-Mettwurstphase einleiten. Mmmhm.
Und falls es a bissal mehra sei darf zum Thema Metzgerei, hätte ich hier was von der anti-ordinär erzogenen Martina Schwarzmann.
She really doesn't intend to be a pain, I know that. My Mum is simply a very unselfconscious woman, a former powerhouse who can't believe that she is now depending on other people to get what she wants. She still knows exactly what she wants, and she tells you. I am getting used to not taking things personally and am assuming a buddhist attitude, but I had to tell her that if she ever makes a "yuck" face at my lovingly cooked food again , it'll be meals on wheels from now on.
On Sunday, I made a slow-cooked leg of lamb, so she could pick at the meat (I am finding it impossible to think of it as "pulled lamb" - pulled pork is sadistic enough) with loads of gravy - that's usually the only thing she is interested in.
Not this time. She refused my home-made egg Spaetzle pasta and the steamed brussels. "Can you pan-fry the Spaetzle, and brussels only go with potatoes".
Okay. Fair enough
Luckily, I had a Savoy cabbage in the fridge, and two sausages. She ate some cabbage, the sausage was wrong.
Okay!
The point of this story is: with all these leftovers I made myself a delicious lunch.
In a pan, I fried the potatoes with the unwanted sausage, seasoned with fennel seeds and marjoram. The cooked savoy cabbage was heated up in the leftover gravy, upcycled with some cream.
For afters, I had fresh blood orange juice.
This lunch could easily become a habit - just too delicious.
Klubberl, Hennen, Föhn und electric sheep.

12 comments:

  1. Ich habe gerade beim Lesen schön in mich hinein gekichert. Hast du eine Geduld!

    einen schönen Tag
    wünscht dir
    Ulrike

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  2. Oh, da bin ich aber froh, dass sich Mudderns bislang immer über selbstgekochtes Essen freut, sofern es nicht zu exotisch ist (wobei: Manchmal sage ich ihr nicht, wie exotisch etwas ist, das sie isst). Schwierige Esser werden sicher im Alter noch schwieriger.

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  3. oh meine Mutter war NIE eine schwierige Esserin - früher hat sie gern und mit Begeisterung alles probiert.

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  4. Das mit der Konsequenz "Essen auf Rädern" finde ich eine gute, fantasievolle Idee, bin gespannt, ob Ihr es tun "müsst" !
    Gruß von Sonja

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  5. Oh, das macht mir jetzt Angst ...

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  6. Kaoskoch - keine Angst, es wird nichts so heiß gegessen wie's gekocht wird ;-)
    Wildgans - Mütterlein weiß natürlich, dass das eine leere Drohung ist...

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  7. Hm, wußte gar nicht, daß Nudeln zum Rosenkohl ein Fauxpas sind, ich mag das besonders gerne.
    Ich wiederhole mich, aber euer Mütterlein genießt ein luxuriöses Dasein, umgeben von soviel ergebenem Personal:-).
    Wie du oben sagst, dieses Ausgeliefertsein macht sie grantig, allerdings tät ich mir das Gesichtverziehen ebenfalls verbitten.
    Euch hilft nur eine Extradosis Humor.


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  8. Oh dear! Sounds like you are taking so much in stride. Best wishes.

    The snowscapes look beautiful, but stay warm and dry!

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  9. Oh oh, da ist wirklich Geduld gefragt! Eine Blume, die sehr spärlich in meinem Garten blüht ;) Gehst wirklich sehr gut mit der Situation um. Da kann Martina Schwarzmann zwischendurch gut aufheitern. Ich find' es erstaunlich, was aus dieser "braven" Person immer rauskommt. Bei der derf's gern a bisserl mea sei :)

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  10. wenn ich mal alt bin, lasse ich mich von euch beiden schwestern füttern hahaha

    bei den klubberl war ich ursprünglich hängen geblieben. in einigen gebieten der schweiz heissen sie chlüpperli.

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  11. Letzte Woche habe ich gekochte Kartoffeln, gekochten Wirsing, eine angebratene Zwiebel, angebratene Scheiben von Rohpolnischen gemischt und dann alles in einer Glasform mit gewürzter Sahne (Salz, Pfeffer, Muskatnuss) übergossen und mit geriebenem Käse überbacken. Das gab es drei mal und ich hätte noch mehr davon essen könnnen. Deshalb kann ich deine Begeisterung für diese Kombi sehr gut verstehen.

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  12. Ach ja, das ganze könnte ich mir genauso gut mit Rosenkohl statt Wirsing vorstellen. Den lieb ich nämlich sehr.

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