White food und andere Frühstücksthemen

Am Frühstückstisch diskutieren wir wie immer die anstehenden Weltprobleme. Der Engländer liest aus dem Guardian vor. In England ist der Skandal um die getöteten männlichen Kälber ein Thema. Ich: "werden die dann nicht geschlachtet und als Kalbfleisch verkauft? Wo ist der Skandal?" 

Brutal, oder? Aber es ist nun mal so, dass viele von uns Fleisch essen, und wenn wir alle vegetarisch oder vegan leben, brauchen wir auch keine Kühe mehr. Und eben keine Kälber. Wenn ich zweimal im Jahr Kalbfleisch esse, dann nur von Kälbern, die nicht durch halb Europa gezerrt werden, sondern die eben sofort geschlachtet und gegessen werden. Einmal im Jahr ein "echtes" Wiener Schnitzel - vom Kalb. Und jetzt in der überfriedlichen Vorweihnachtszeit mache ich zum Beispiel "Blanquette de veau". Mein wunderbares französisches Kochbuch erklärt, der Name kommt daher dass das Fleisch nicht angebraten wird und daher eben in weiß erscheint. Auf deutsch ist es das schnöde Kalbsfrikassee.

Ich erkläre dem Engländer, dass das Kalbfleisch mit crème fraiche gekocht wird. Er findet, dass Essen nicht leckerer sein sollte als es ist. Hä? Manchmal spricht er in Rätseln.

Egal. Es wurde so lecker wie es ist.

Das Erstaunliche an diesem Jahr der vielen lockdowns ist, dass uns der Gesprächsstoff tatsächlich noch nicht ausgegangen ist.

Und so geht das Kalbsfrikassee (das werden 3 große Portionen)

In einem großen Suppentopf 500g abgewaschenes Kalbfleisch in Salzwasser zum Kochen bringen,  und immer wieder abschäumen. Eine Zwiebel, gespickt mit Lorbeerblatt und einer Nelke, und klein gewürfeltes Suppengrün dazugeben. Auf kleiner Flamme ca. eine Stunde weichköcheln. 

Fleisch aus der Brühe nehmen, in große Würfel schneiden und zurück in die Brühe geben. 

In einem anderen Topf eine Roux aus 20g Butter und 20g Mehl glattrühren (Einbrenn). Nach und nach mit Brühe aufgießen und rühren, bis sie dickflüssig ist. In die Fleischbrühe rühren und etwas mitsimmern lassen. Salzen, mit weißem Pfeffer abschmecken. 5-6 weiße Champignons vierteln oder in Scheiben schneiden, ca. 10 Minuten mit ziehen lassen. Dann ein Eigelb mit 3-4 EL Rahm verrühren und in den Topf einrühren.

Dazu gibt es Reis. Ich nehme für uns zwei eine Kaffeetasse Reis, wasche ihn in einem Sieb gründlich aus und koche ihn in viel Wasser, das ich dann abgieße. Der Reis ist fertig wenn er fertig ist, so einfach.

 

 Noch ein paar weiße Gerichte, die leckerer sind als sie sein sollten

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Some more white dishes that are more delicious than they should be

Gnocchi alla Romana - Grießklößchen in Milch gekocht und mit Käse bedeckt. Werde ich demnächst mal wieder kochen und posten
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Gnocchi alla Romana, semolina gnocchi cooked in milk and smothered in cheese. I'll cook and post them, soon.
Creamy rice with Kohlrabi and mushrooms  

"Things shouldn't be made more delicious than they are", the man says over breakfast, as we are discussing blanquette de veau. Which is bathed in creme fraiche etc. Such surreal lockdown conversations occur every morning at the breakfast table. This one arose from a news item in the Guardian, about a hidden scandal of male calves being killed - but isn't that what they have to do so we can eat them?

Brutal? I honestly eat calves only about twice a year, once as Wiener schnitzel, and this week I am making a blanquette de veau for the first time. If everyone limited themselves to that, not many calves would have to die.

To prepare blanquette de veau, stew pieces of veal (such as shoulder or breast) with diced carrots, onions and celery. Add a roux (butter and flour cooked with milk or the meat broth - careful not to let it get brown)  to this and slow cook it, leaving it to thicken. Finally add quartered white mushrooms and finish the dish off with crème fraîche beaten with an egg yolk. Serve with rice.

Anyway, we always find things to talk about, that's the amazing thing that emerged from a year of lockdowns.

 

Und jetzt ist das schlimmste Weihnachten seit dem 2. Weltkrieg (haha, frag mal die Gefangenen von Moria) endlich vorbei! Zurück zum normalen Coronawahnsinn.

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And now, the worst Christmas since WW2* is history! Back to Corona Normal.

*quote from a German regional politician, who clearly hasn't read about the Christmas the captive refugees in Moria are having.

Comments

  1. Zur Kalbfrikassees die spannenden Gespräche... das ist noch mal ein extra gutes Gewürz, was das Essen noch mal doppelt besser macht, als es normalerweise sein sollte. Hier kann es keine Grenzen geben... Danke liebe Ilse!!

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  2. Ich kannte jemanden, der eigentlich nur weiße Speisen gegessen hat. War bissl seltsam. Mein Essen ist momentan auch leckerer als es ist (wieder einmal großartiges Bonmot!). Und weil ich alles aufesse, scheint endlich auch die Sonne. Was Moria betrifft, geht mir das Geimpfte auf. Oh wait..... soweit ist es ja noch nicht. Aber zumindest das Showimpfen bereits begonnen. Na dann warte ich geduldig, bis ich mal dran bin. Bis dahin geht vielleicht auch auf den griechischen Inseln was weiter. Liebe Grüße in die zwischen Weihnachten und Neujahr Zeit und weiterhin angeregte Frühstückskonversation!

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    1. Ja wer nur weiße Speisen isst, trägt vermutlich auch Gamaschen und einen Panama.
      Und - Showimpfen trifft den Nagel auf den Kopf - diese armen 100jährigen, die ihre 15 minutes of Fame erleben müssen!

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  3. find ich auch Ilse ,wir jammern auf hohem Niveau.....mir gingen in den Tagen auch die Kinder in den Lagern auf Lesbos immer wieder durch den Kopf....in welchem krassen Gegensatz zu uns steht.....sei lieb gegrüßt bei mir gibts heut Blaukraut Bratkartoffel mit Zwielbel und Speck...:)
    Claudia

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  4. Mhmm, Blaukraut geht immer! Nur nicht mit weißen Speisen...

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  5. wir hatten auch kalb am ersten weihnachtsfeiertag. hat auch so gut geschmeckt wie es schmeckt.

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  6. Oh je - ich schäme mich, im Land desjenigen Lokalidioten zu wohnen, der diesen Spruch rausgehauen hat... *fremdschäm*
    Und - ich mag lieber bunte Speisen, die immer mindestens so lecker sind, wie sie sind:-)
    Herzliche Grüße ins Bayrische aus dem Eiflerischen
    Andrea

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  7. Ingrid und Andrea, ich muss so lachen, weil der Spruch vom Engländer so eingeschlagen hat! 😍

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