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Eine Tirade und eine Nachspeise

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Meine Schwester hat mir mal erzählt, dass ihre Freundin Annamirl auf die Frage der Lehrerin, was sie denn mal werden wolle wenn sie groß ist, antwortete: "Lockvogel".  Eine riskante Berufswahl, die oft nicht gut ausgeht. Heutzutage wollen kleine Mädchen später eher Influencerin werden, ein Beruf der zwar nicht gefährlich ist, aber so nützlich wie ein Kropf. Sie sind eine Geißel der Menschheit, treiben sich zum größten Teil auf TikTok herum, empfehlen Reisen an geheime, bisher unentdeckte Orte oder in eh schon überbesuchte Städte. Sie sprechen von Foodporn und regen kleine Kinder dazu an, Kosmetikprodukte zu kaufen. Dank der InfluencerInnen ist die Rolle der Frau in Gefahr, auf das Niveau der 50-Jahre zurückzufallen; dicke Lippen und zaundürre Figuren sind so in wie zu Sofia Loren und Audrey Hepburns Zeiten, und in der Küche stehen die Tradwives wie aus dem Dr.Oetker-Kochbuch der 50er-Jahre. Nur eben noch schlimmer, mit den aufgespritzen Lippen und den 10cm Plastikfingernägeln...

Sprachen sprechen

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  Deutsch war meine erste Fremdsprache  - daheim sprachen wir meine Muttersprache, bayrisch. Das wollte uns die Schule austreiben, hochdeutsch war Amtssprache. Dann kam endlich englisch, das wurde meine zweite Muttersprache. Ich kam heim mit dem Wort Yellow. "yellow", sagte meine kleine Schwester andächtig. Von da an ging's voran, innerhalb weniger Jahre sprachen wir miteinander englisch - vor allem nachdem wir „The catcher in the Rye“ gelesen hatten. Wir hörten AFN, den Radiosender für GIs, und hatten eine Menge BrieffreundInnen in aller Welt. Noch heute weiß ich ihre Namen: Leonie aus York, Deepak Dhariwal aus Indien, Jean Anunda aus Mauritius, Nobuyoshi Iwase aus Japan. So aufregend, wenn die dünnen blauen Luftpostbriefe ankamen!  Kaum war die Kindheit vorbei, fing mein italienisches Abenteuer an. Ich war 20 und steckte mitten im Abitur, nebenbei war ich Platzanweiserin im Luitpoldkino (das gibt’s nicht mehr, aber das Café Luitpold gibt’s noch in München). Eines A...

Intermezzo: Gruß aus der Küche

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Heute mal keine Schwänke aus meinem Leben, sondern ein paar hervorragende Kochideen.      Letzten Samstag hatte niemand einenn Wochenendeinkauf gemacht. In England kein Problem, weil die Supermärkte jeden Tag geöffnet sind - in Portugal übrigens auch! Was auch heißt, dass in London jeden Tag Verkehrsstau und nie wirklich Ruhe ist. Für mich ist das einer der Vorteile des Lebens in Bayern, denn da hört man am Sonntag tatsächlich nur die Kirchenglocken.  Also, nix eingekauft. Ich machte trotzdem ein köstliches Sonntagsessen aus zwei Pastaresten, einem halben Fetakäse und einem Rest Zitronenpesto vom R*we - das ist so gut, ich könnte es selber nicht besser. Kurz im Ofen überbacken. Geadelt wurde das Notfallessen durch die blauen Teller von VilleroyBoch, die ich gestern von Freunden geschenkt bekommen habe. Die Zwei sind genau solche liebevollen Porzellansammler wie ich. Sie erzählten mir, dass der Name "Zwiebelmuster" auf einem Irrtum beruht - das Muster stammt aus China...

Resisters - only Rock'n'roll

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Ein weiteres Kapitel in meiner Autobiographie! *** Another auto-biographical chapter 1976 zog ich nach London. Schnell fand ich eine Wohngemeinschaft.  Ein Jahr darauf spielte ich Bass in einer Band. So einfach war das: Freunde wussten, dass ich Gitarre spielen konnte, und fragten ob ich mir vorstellen könnte, in einer gerade sich formenden Band Bass zu spielen. Vorstellen kann man sich alles! Und so wurden wir The Resisters :     I moved to London in 1976. By 1977, I had become a bass player in a band. My new found friends had noticed that I had arrived toting a guitar, and decided playing bass would be a doddle for me. After all, it was the punk era, anyone who could play three chords... So, I went to Denmark street, spent £200 on a Fender bass guitar and we became The Resisters.     Pete, Geoff, Ilse, Suzy, Dave - und Kim, der das Foto macht. Das Vehikel dahinter war unsere umfunktionierte Ambulanz, mit der wir in den nächsten Jahren auf Tournee gingen....

Regenwettergeschichten - rainy day stories

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  Vor langer Zeit, fast 30 Jahre ist es her, lebte ich ein knappes Jahr in Andalusien. Ich war die älteste Studentin (47) in meinem Kurs und durfte ein Erasmusjahr in Sevilla verbringen, um das Spanischmodul meines Studiums - European Studies - zu vollenden.  (was mir total gut gelang, aber den Mann am Zeitungsstandl nicht überzeugte. Als ich zum ersten Mal El País kaufte, sagte er zögernd "Sie wissen schon, dass diese Zeitung auf Spanisch ist"). "Yá lo sé!"   Ich kam Anfang September an, Es war heiß nach fünf Jahren ohne Regen, ich schlich an den Häuserwänden entlang durch die Stadt. „La sequía“ , die Dürre, hatte Andalusien im Griff. Darüber wollte ich meine Bachelorarbeit schreiben.    D ie schrieb ich übrigens auf einem der ersten Laptops, dem von meiner computer-fitten Freundin Lola. *** I wrote my bachelor essay on one of the first laptops, that of my computer literate early adopter friend, Lola.      A long time ago, about 30 years now...