Good Housekeeping, oder der perfekte Haushalt

Samstag früh, nach einer durchschnarchten Nacht und Flucht aufs Sofa
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Saturday morning, after fleeing from a snoring attack

Wo ich wohne, kann man morgens nicht schnell die Zeitung kaufen, dazu braucht es eine kleine Autotour. Also lese ich zum Frühstück entweder die von gestern, oder den lieben Guardian, online. Heute früh musste ich über diesen Artikel über schlampige Wohnungen sehr lachen; noch mehr amüsiert haben mich die Leserbriefe, die sich daraus ergaben. Eines der Highlights war die Leserin, die das "hideying up" erfand - das Verstecken von Krempel anstatt mühsamen Aufräumens ("tidying up").
Ich selber bin eine gelungene Mischung aus Schlampe und serienweiser Zwangsneurotikerin. Fenster putzen - nur wenn man bei Sonnenschein nichts mehr sieht, oder wenn meine Vermieterin anfängt, meine Fenster von außen zu putzen. Staubsaugen: ständig, weil mir schon bei einem Haar, das auf dem Teppich liegt, gruselt. Sollte ich im Bad ein Silberfischchen entdecken, bin ich praktisch am Telefon zum Kammerjäger. Ich finde die eingebauten Duschtüren eklig und hätte lieber einen Vorhang, den ich in die Waschmaschine stecken kann. Andererseit ist das Leben zu kurz, um ständig mit der Essigflasche den Kalk aus der Badewanne zu kratzen.  Und den Saum vom Vorhang im Klo habe ich immer noch nicht umgenäht. Man arrangiert sich halt.
In der Küche bin ich ständig am Wischen und Kehren und gehöre unglücklicherweise zu den Köchinnen, die während des Kochens schon zwanghaft abspülen und wegräumen. Aber mein Backofen... Wie kriegt man diese jahrelangen Kohleablagerungen je wieder weg? Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass ich beim nächsten Umzug einen nagelneuen Ofen kaufen werde. Und dann wird alles makellos sauber sein. Oder doch lieber gemütlich?
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Due to living nowhere near a newsagent, my breakfast is often accompanied by reading the Guardian online (I have paid up, by the way, and recommend we all do it!) This article by Michele Hanson made me laugh - she often does that. Among the very amusing comments someone came up with the notion of "hideying up" as an alternative to tidying - shove it under the sofa.

Personally, I wouldn't say I am a slob - I am a mix of laissez-faire and OCD around the house. I don't like hairs on the carpet - instant hoovering, at the same time I couldn't care less about cleaning my windows, until the first spring sunshine comes. But if I spot just one creepy-crawly around the house I go into spasms, ready to call Pest Control. I like things to be hygienic, but life's too short to spend it on all fours cleaning under the sofa.

My oven is charred, I can't look at it. I am looking forward to the next time I move house when I can finally buy a new one. I am, however, one of those unfortunate obsessive cooks-cum-kitchen porter who clean and tidy whilst cooking, which doesn't aid concentration on the main task.
One day, my life will be balanced and relaxed, clean and cosy. And I will have sewn a seam on the bathroom curtain.
Grown-up, in a word.



Zwischendurch scheint die Sonne, man kriegt Lust auf eine marokkanische Teeparty. An Minze fehlt es auf der Terrasse gerade, also machte ich grünen Tee mit Minze. Kuchen vom türkischen Laden in Grafing.  
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We do get occasional sunshine, even in winter, calling for an impromptu fusion tea party: green tea with mint. Cakes courtesy of our local Turkish shop. We are so cosmopolitan now.

Comments

  1. Na, da kommentiere ich mal behaglich solidarisch, so ähnlich kenne ich das auch :)

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    1. Schlampen aller Länder, vereinigen wir uns.

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    2. äh.. ich wollte dich nicht beleidigen!

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    3. :) Auf die Idee wäre ich auch nicht gekommen.

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  2. Zum Schmunzeln schön! Vor allem bei der Vorstellung, deine Vermieterin deine Fenster wischen zu sehen.
    Ich bin auch eine begnadete "hideying-upperin" und kriege einen Aufräumfimmel, sobald sich Besuch ansagt oder "wenn die Säge, sägen will", also mir wirklich nach Putzen etc. ist.
    Liebe Vor-Frühjahrsputz-Grüße (dann schlage ich richtig zu, har, har!) von Petra

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    1. Das mit der Säge ist ja ein toller Spruch. Freu mich auch schon auf den Frühjahrsputz. Den Teppich im Neuschnee zu reinigen, das hab ich schon verpasst.

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  3. Ach das sieht aber wirklich gemütlich bei dir aus! So sonnendurchflutet. Fensterputzen tue ich oft hier, auch weil der Hund an die Scheiben "klopft" wenn er rein will, ebenso bin ich eine fanatische Fegerin und Flächenabwischerin, lasse aber meine Sachen gerne überall eine Weile liegen, so dass nie der Eindruck einer Wohnung aus einem Schöner Wohnen Magazin entsteht. Dass eine Vermieterin deine Fenster von außen putzt ... ist das wahr? Das gibt es wohl nur in Bayern. Meine beanstandete damals allerdings staubsaugen nach sechs oder 7 Uhr abends. Freue mich zu lesen, dass es den türkischen Laden in Grafing noch gibt oder ist das ein neuer? Viele Grüße ins sonnige Bayern oder zumindest in deine sonnige schöne Wohnung.

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    1. Ist echt wahr. Sie lebt in permanenter Angst vor dem Dreck - ich tu wirklich was ich kann, um ihr die zu nehmen. Und den tollen Türken gibt's tatsächlich noch, das Gymnasium hält ihn am Leben.

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  4. Hahaha, einige Kommentare habe ich noch gelesen, da sind kreative Ideen dabei. Sehr amüsant.
    Wir arbeiten und wohnen unter einem Dach, einem alten noch dazu. Da könnte ich permanent putzen (ich sage nur Doppelfenster). Die Basics mache ich täglich, aber Staub muss warten.
    Ich halte mehr davon mich selbst zu pflegen, Sport zu treiben und Pokémons zu fangen.

    Auf deinem Dreisitzer passt man der Länge nach hin? Ich erwäge die Anschaffung des Modells für eine leere Nische.

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    1. Dieses Schlafsofa ist wirklich die beste Anschaffung ever. Längs für eine, ausgezogen eine Riesenschlaflandschaft. Pokémon??

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    2. Ich orientiere mich an "sauber genug, um gesund zu sein, schmutzig genug, um glücklich zu sein." Das geht halbwegs. Allein, aufgeräumt muss sein, das verfolge ich penibel.

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  5. saugemütlich.lu

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  6. Wirklich sehr gemütlich, Ilse.
    Ich finde, dass Wohnungen auch so aussehen dürfen, als würde darin gewohnt bzw. gelebt. Und wieviel Lebenszeit eine günstiger nützen kann statt immer alles immer gründlich zu putzen und aufzuräumen. Um z.B. gute Bücher zu lesen, im See schwimmen zu gehen (nicht gerade jetzt ... :-) und um eben zu kochen oder darüber zu schreiben.

    Ahoi und liebe Grüße
    Oona
    mit noch immer einer Handbreit Wasser unter dem Kiel.

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  7. Die fröhlichte Mutter, die ich kannte (leider nicht meine) und obendrein Hausfrau sagte oft lachend: *Nix ist so emsig wie Staub* :)

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  8. so mag ich's auch, liebe Ilse! Ich putze nur nach dem Lustprinzip, und die 'Lust' reguliert sich ganz automatisch nach einem gewissen Verschmutzungsgrad, zwischendurch rettet mich der HandstaubSauger (Staubmäuse in Ecken).Bei den morgendlichen Sonnengruß-Hunden habe ich die Staubentwicklung unter meinem Bett gut im Auge...Treffend fand ich kürzlich den Text in einer Karikatur (Frau sagt zu Mann im vermüllten Wohnzimmer) : Ich bräuchte mal wieder einen richtige Aufgabe, vor der ich mich drücken könnte durch Aufräumen.... das ist auch häufig mein Impuls . Aber nichts geht über die Gemütlichkeit.Sehr gefreut hat mich die Äußerung eines Kindes : Ich komm so gern zu dir, weil es da so schön gruschtelig ist und viel zu sehen gibt. Liebe Grüße von Schlampone zu Schlampone Tr.


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    1. Ah, gute Idee! Der Handstaubsauger könnte meine Haarneurose kurieren! Und den Hund als Dreckkontrolle einzusetzen - genial!

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  9. ...übrigens zum Backofen: Warum müssen die immer so sauber wie neu sein??? ich denke da immer an so alte oder mittelalterliche Herde - da ist man entzückt über ihre Rußigkeit - das ist doch eigentlich das natürliche Kennzeichen eines (erfolgreich) benützen Ofens, daß er rußig ist. Tr.

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  10. Das mit dem Backrohr ist ja auch zu elend wann immer (also äusserst selten) ich das blöde Ding putze, schramme ich mir die Hände an irgendeinem scharfen Eck auf, sehr fein, den fetten Dreck dann drauf, au weh... Die Silberfischchen ignoriere ich, tauchen bei mir nur in der Badewanne auf, da ist einmal wegspülen einfach. Aber die Fenster... im Landhaus sind es 9 alte Kastenfenster und 9 neuere Holzfenster plus 2 Türen mit Glaseinsätzen. Da werden die Nachbarinnen bald was zu reden haben, hihi. Aber vielleicht fangen sie auch von außen zu putzen an, ich wäre entzückt!! Liebe Grüße von einer Ösi-Schlampe, Bettina

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    1. Ösi-Schlampe, das klingt richtig schick! Ich komm dann und helf dir Fenster putzen.

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  11. ich putze immer die fenster, jedes jahr im frühling :))) lg

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    1. Diese Definition von Immer finde ich gelungen!

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  12. Klasse😂 Küche bei mir genauso❤️Klo och!!Dreck rennt nicht weg und Arbeit och nicht! OTON meine Oma!

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