Quarantäneschwänke

Es ist ein bisschen wie im Märchen von Dornröschen: alles hat angehalten.

Die Straßen sind leer, am Himmel keine Kondensstreifen, kaum Menschen unterwegs. Die S-Bahn fährt zwar getreulich alle 20 Minuten an meinem Küchenfenster vorbei, aber niemand sitzt drin.
Aber es gibt einen Ort, wo sich der Wahnsinn austobt: der Supermarkt A**i. Niemand hält die Kunden an, Abstand zu halten. Alle drängeln rein, drängeln sich vorbei, wenn ich höflich um Abstand bitte (hey! ich gehöre zur Risikogruppe!) schnauzt mich jemand an "jetzt werden's schon alle hysterisch!" Eine Parallelwelt, wo das Virusrisiko noch nicht angekommen ist und die Aggression herrscht.
Aus England und aus Portugal höre ich, dass die Kunden vor den Supermärkten warten - mit Abstand - bis drinnen genug Platz ist, um sich auszuweichen. Nicht bei uns. Aber angeblich sind 95% der Deutschen mit den Vorschriften einverstanden. Vielleicht sind hier in G. die übrigen 5%?

Zum Glück ist im Wald noch genug Platz für alle. Man weicht sich aus, lächelt, und wenn mal ein Spaziergänger nicht ausweicht, kann man sich ins Unterholz verkriechen. Die Stimmung ist allgemein eher freundlich.
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Luckily, the woods offer enough space for the few walkers to avoid each other. You give way, give a smile, or dodge the oncoming jogger among the trees. Overall, the atmosphere is friendly.

It's a bit like the Sleeping Beauty fairy tale - everything ground to a halt. No cars in the streets, no aeroplanes in the sky. The train passes by my kitchen window every 20 minutes, but I can't see anyone sitting in it.
The only place where madness is loose is in my local supermarket. People seem to have never heard of the virus - they squeeze past me, jostle me, and when I claim my 1,5meter space (hey! I am in the at risk group!!), someone spits "they're all getting hysterical now!"
I have reports from England and Portugal, where people wait patiently outside supermarkets until a shopping space becomes free.
And yet, they said in the news that 95% of Germans are ok with all the restrictions. My hometown must be the home of the remaining 5%.

Aber jetzt reden wir endlich über das Essen: Heute gibt's Gnocchi! Aus Ricotta! Ein Rezept, das ich in dem italienischen Blog a-modo-mio.at  von Alessandra Dorigati fand. Aber Ricotta gibt's nicht überall, also fragte ich sie, ob Quark auch geht. Und ja, es geht! Und schmeckt fantastisch. Diese Gnocchi sind so viel einfacher zu machen als die Kartoffelgnocchi. Ich hab sie zweimal gemacht, einmal mit etwas weniger Mehl, da konnte ich die mit dem Löffel ausstechen wie Griesnockerl, und hier mit der im Rezept angegebenen Menge, da kann man sie rollen, wie - äh - Gnocchi!
Auf deutsch findet ihr das Rezept hier in Alessandras Kolumne im Standard.
 
And now for something completely different: Gnocchi! I found the recipe for ricotta gnocchi in an Italian food blog and immediately wanted to try it. I found it much easier to make than the potato variety - a bit hit and miss in my experience.
You mix a 250g tub of ricotta with 125g plain flour, an egg, a pinch of salt and 100g pecorino (or parmigiano). Don't over knead, just lightly mix.
Cover and leave to rest for some 30 minutes.
Form a sausage and cut thumb-size bits, dust with flour and drop in simmering salted water. They are done when they float on top.
You can eat them topped with butter and fried sage leaves, or a tomato sauce.
I served them with a creamy sauce of peas, mushrooms and cubed peppers.




Kuchen ist immer dabei: eine kleine Crostata mit Marmelade und Äpfeln zum Beispiel?
There has to be cake! Here's a little crostata with jam and I added sliced apples.
Something I prepared earlier.

Zum Schluss ein total schockierendes Bild von meinem Freund Tony Swash in London: der Bahnhof King's Cross, einer der größten Bahnhöfe in Europa, Eurostar-Bahnhof. Geisterhaft leer. Sein gesamtes Portfolio über das leere London ist bei Flickr zu sehen.
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To finish you off, a picture from London that shocks, taken by my friend Tony Swash: Kings Cross Station, a Eurostar Terminal, one of Europe's biggest busiest stations. Eeriely empty.
Check all his Empty London pictures on Flickr.

Comments

  1. Hier in einer Kleinstadt im Allgäu halten die Menschen inzwischen beim Bäcker, Metzger, Bioladen, auf dem Markt und bei Rewe brav Abstand. Auch schützt bei Rewe endlich eine Plexisglasscheibe das Personal an der Kasse. Ich habe allerdings gehört, dass es bei A..i anders sein soll. Ich schätze, das liegt an der Firmenführung. Es sind die Geschäfte, die angefangen haben darauf zu achten, dass sich die Kunden an die Abstandsregel halten.
    Davor war Kuddelmuddel überall.

    Anfang der Woche habe ich noch ein Grüppchen alter Männer auf einer Bank im Park sitzen bzw. beieinanderstehen sehen und Bier trinken. Da packt einen dann doch die Wut. Denn wenn sie auf der Intensivstation landen nehmen diese unter Umständen Leuten den Platz weg, die sich vernünftig verhalten haben.

    Ich kann kaum glauben, dass diese Verordnungen erst seit einer Woche bestehen. Mir kommt es schon ewig lang vor.


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    1. Diese Leute, die sich so cool finden, gefährden vor allem das medizinische Personal. Die Arbeiten unter gefährlichen Umständen - in Italien sind schon fast 50 gestorben. Entsetzlich.

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  2. Im Viertel, in dem sich H. bewegt, sind alte und junge Mitmenschen sehr diszipliniert. Sogar beim kleinen Gemüsemann ist immer nur eine Person im Laden, und die Beiden bedienen mit Mundschutz und untersagen Selbstbedienung.

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  3. Moin Ilse,
    hier in Bremen wird es langsam etwas entspannter beim Einkaufen. Die meisten Menschen halten sich dran. Endlich haben auch die KassiererInnen beim Rewe die Plexiglasschreiben. Das wurde aber auch höchste Zeit. Da ich nur in Notfällen beim A+ldi einkaufe, kann ich dazu von hier oben nichts schreiben.

    Tatsächlich bin ich heilfroh, wenn ich meine sehr focusierten Einkäufe erledigt habe.
    Und etwas, dass ich vor C. nie geschafft habe: Ich kann sparen ;-)
    Außerdem fahre ich täglich mit dem Rad zur Arbeit. 22 Min. eine Tour. Ich laufe im Büro in den 5. Stock, um nicht den Fahrstuhl zu nehmen. Also.... meiner Fitness tut es bisher gut, dass ich gezwungen bin mich mehr zu bewegen. Solange wir noch raus dürfen.
    Und das wird nach C. weiter so bleiben. Also radeln. Morgens entspannt mit dem Rad - gefühlt fast allein - zur Arbeit radeln. Jedes Blümchen verzückt mich, die großen Magnolienbäume.. frische Luft und die morgendliche Sonne. Wunderbar. Das macht auch die Seele heller.
    Auch ein interessanter Nebeneffekt: es wird in meinem Umfeld mehr gebacken (wenn eine die Zutaten bekommt, denn Mehl ist überall aus. Oder Hefe) und auch die ganzen "Vorratsschränken" werden aufgeräumt . Erst einmal den "alten" Kram wegessen.

    Was mir als alleinlebende sehr sehr fehlt, dass ich meine wenigen liebsten Menschen nicht treffen kann.
    Ein Grund, warum ich ins Büro fahre. Obwohl mir dabei nicht wohl ist. Ich habe zumindest 7,5 Stunden "Abstandkontakt" mit den letzten verbliebenen vier KollegIinnen, die sich über die gesamten Firmenräume verteilt haben. Jede/r in einem Büro. Meetings machen wir über Zoom (ähnlich wie Skype). Dann können alle - auch die aus dem Homeoffice - an den dringenden Besprechungen teilnehmen. Das geht super.

    Nun aber in die Küche. Ich versuche mich an Scones. Weil das spart a) Geld und b) es spart den Besuch beim Bäcker. DIe, die noch geöffnet haben.
    Ahoi und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel, liebe Ilse.Deine Post erhellen mir den Tag! Oona

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    1. Das ist gut, dass du noch in die Arbeit fahren kannst! Und du klingst j a fast glücklich!

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  4. in lausanne dürfen nur 2 menschen zusammen spazieren mit 2m abstand !
    da ich doch zeit hätte zum kochen... fühle ich mich noch schuldiger.. es ist einfach nicht meine sache... lieber fasten :)))
    gesund bleiben!
    liebe grüsse

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    1. Fasten! Niemals. Obwohl es ja angeblich so gesund ist. Liebe Grüße auch an dich!

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  5. Ich hab mich heute auch erstmals nach zwei Wochen in den nächsten Supermarkt begeben, ganz wenig Leute Samstag Nachmittag, aber die hinter mir haben es auch geschafft, an der Kassa reichlich nahe ranzurücken. Man könnt ja was versäumen.... Deine Gnocchi sind allerliebst, die werde ich nachkochen. Und ich hab beim rumwandern manchmal so ein Feeling wie bei Marlene Haushofers “Die Wand“. Stille, ich allein auf der Welt. Bis dann netterweise der nächste Traktor vorbeirattert.

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    1. Ich bin ja eine der wenigen Menschen die den Film toll fanden. Aber Mann - bin ich froh dass wir da nicht mitspielen. Happy gnocchi wünsch ich dir!

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  6. Das Risiko, dem Pflegekräfte und Ärztinnen ausgesetzt sind, macht mir auch wirklich große Sorge und ich kann mir vorstellen, dass die berechtigte dauernde Angst um die eigene Gesundheit nicht dabei hilft einen klaren Kopf zu behalten. Alle diejenigen, die medizisches Material in Massen aufgekauft haben, oder gestohlen haben oder im Internet anbieten sollten zur Verantwortung gezogen werden, wenn man sie ausfindig machen kann. Die Stille ist wirklich bemerkenswert, selbst hier wo es ja ohnehin still ist, ist diese Steigerung an Still bemerkbar. Keine Motorräder, keine Flugzeuge, kaum Autos, keine Touristen, dafür Gänsegekreisch und Vogelzwitschern. Der Frühling hat begonnen und ich denke mehrmals am Tag wie gut wir es haben, die Natur in der Nähe haben oder einen Garten oder zumindest einen Balkon. Ich fühle so mit denen, die in kleine Wohnungen eingesperrt sind. Dieser Artikel ist sehr lesenswert https://www.theguardian.com/world/2020/mar/27/a-letter-to-the-uk-from-italy-this-is-what-we-know-about-your-future?CMP=share_btn_fb&fbclid=IwAR3q3E6z13UKcef2EgNwn8ukw3xHkBARgX4J8UkcRXp2trLMisENiFbZEQQ

    Viele Grüße aus Scotland

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    1. Ach ich sag dir, ich habe so eine Bewunderung für die Menschen in der Frontlinie! Wir müssen einfach alle so aufpassen.
      Und - in jedem Krieg gibt es die Kriminellen Kriegsgewinnler...
      Schön ist, dass die Natur mal aufatmen kann. Ich hab gelesen dass mir eins von sonst 6 Flugzeugen jeden Tag fliegt! Und kaum Autoverkehr..
      Always look on the bright side.... Lieben Gruß!

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