Ich glotz TeVau

Es gibt ja Menschen, die mit Stolz von sich sagen, sie würden nie fernsehen, oder sie hassen vor allem Krimis. Ich bin stolz darauf, dass ich in meinen 25 Jahren England viele glückliche Stunden vor dem Fernseher verbrachte und dadurch tief in die englische TV-Kultur eintauchte. Natürlich habe auch ich meine Grenzen -  brutale Krimis mit Ritualmorden und Frauenmorde als Unterhaltung nein danke. Dem sogenannten "bildungsfernen" Fernsehen, Reality Shows und alles mit Heidi Klum, konnte ich noch nie was abgewinnen. Diese Art von Sendungen, in denen man fremden Leuten bei ihrem Privatleben zuschaute, fing in England an mit Big Brother und hat mich echt nicht interessiert.

Filmszene aus "Tatort - Die Heilige" | Bildquelle: BR/Kerstin Stelter 
Ich mochte die typisch englischen soap operas wie  East Enders und Coronation Street hin und wieder mal, aber meine Liebe gehörte den großen Straßenfegern wie Dallas ("who shot J.R.?) und Dynasty, und dann E.R. mit dem taufrischen George Clooney. Später auch noch Twin Peaks. Das waren gemütliche Abende in der WG, wir waren alle süchtig. Englisches Fernsehrn ist insgesamt besser als deutsches - die klassischen Serien (Jane Austen..) sind Kult, die Krimis weniger beladen damit, bestimmte gesellschaftliche Themen zu „verhandeln“, die Filme haben oft einen besonderen Witz oder sind einfach albern. Ich sah John Nettles als Bergerac, Polizist auf Jersey, bevor er Inspektor Barnaby wurde, ich liebte in den 80er-Jahren die jungen comedy stars wie The Young Ones, French and Saunders mit einer Parodie der "Fünf Freunde"-Bücher..und so vieles mehr.
Dank Dynasty, das in Deutschland mit demTital "Denver Clan" lief, konnte ich mich in Ambach bei den Fischmeistern sehr beliebt machen. Ich verbrachte dort viele Ferien, weil meine Schwester da wohnte, und die Belegschaft der Wirtschaft hing an meinen Lippen, abends nachdem die Gäste weg waren, um die neuesten Plotentwicklungen aus England zu erfahren. Es ware n wunderbare Märchenstunden mit Freibier. 
Bild: ausgeliehen vom Institut Francais 
 
Ich verrate euch noch ein paar Krimiklischeesauf die man sich in Fernsehkrimis immer verlassen kann.
  • Mutter/Vater gestehen den Mord, haben aber keine Ahnung wie er begangen wurde.  Sie schützen natürlich - Überraschung - den Sohn/ die Tochter 
  • Hatte er/sie Feinde?
  • Person fällt mit dem Kopf auf eine Kante und ist sofort tot. Der Mörder: „Das wollte ich nicht!“ 
  • Beim Verhör: „…das müssen Sie mir glauben!" glaubt natürlich niemand
  • Verdächtige die befragt werden, erzählen den Polizisten alles was die hören wollen.
  • "Wer macht denn sowas?“ Ja- wer wohl? Oft der, der fragt!
  • Kommissare grundsätzlich immer mit einem Becher Kaffee in der Hand. Kaffeeautomat funktioniert oft nicht und wird mit Füßen traktiert. 
  • Weibliche Ermittlerinnen tragen gerne hautenge Röhrenhosen und zwecks Wiedererkennung immer den gleichen Mantel/Jacke. Wer erinnert sich noch an „Die Kommissarin“ Hannelore Elsner, jede Woche im schicken schwarzen Ledermantel? 
  • Alle  gehen grundsätzlich trotz dringender Mahnung  („Warte auf  Verstärkung! Kein Alleingang !“) allein in finstere Keller, ohne auf die Verstärkung zu warten. Mit vorhersehbarem Ergebnis. 
  • Noch besser: jede*r Ermittler*in findet sich irgendwann in einem Kühlraum/ dunklen Keller,(immer ohne handyempfang) eingesperrt.
  • Wenn in einem zwielichtigen Milieu ermittelt wird (immer wieder gern), hängt unweigerlich eine halbnackte Pole-Tänzerin an der Stange  
  • Unvermeidliche Folterszene: Opfer an Stuhl gebunden, Watschen 
  • Der Gute jagt den Bösen: immer von Dach zu Dach, cliff hanger, durch orientalische oder südländische Märkte, wobei sämtliche Stände zu Bruch gehen 
  • Motorräder fahren bei Verfolgungsjagd grundsätzlich lange Treppen hinunter
  • Schlag auf den Kopf/angeschossen: normale Menschen lägen mit hirntrauma im Krankenhaus, Kommissar*innen stehen sofort wieder auf, reißen sich die Infusionsnadel raus. Nichts passiert - ich wäre tot.

Zum Schluss ein Tipp von einer befreundeten „Soko“-Regisseurin (Vorsicht Spoiler!): der Mörder ist immer der/die bekannteste Schauspieler*in. 

Zu essen gibts's heute was Wiederverwertetes: French Toast, auf deutsch Arme Ritter (arme Ritter? wieseo sind die arm?). Wenn ich Hefeteigzopf backe, wird es immer viel. Einiges essen wir gleich, der Rest wird eingefroren. Und statt Kuchen mache ich dann eben die armen Ritter. Falls es hier jemand gibt, die nicht weiß wie das geht: für diese fünf Stück habe ich ein Ei mit einem Becher Milch aufgeschlagen und die Zopfstücke drin gebadet, je länger desto besser. Dann in einer Pfanne mit Sonnenblumenöl ausbacken, Staubzucker drüber und - Tea Time!
 
Nachher fahre ich auch mal mit dem Radl spazieren  *** After that, I go for a ride on my bike... 
...und hole noch ein paar Eier  ***  and get some more eggs 

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